Tormis Quartet
Tormisele - Hommage to Veljo Tormis

Musik, so schön, dass es beinahe wehtut. Lange Zeit fiel uns nicht mehr zu dieser CD ein, als dieser eine Satz, der dazu nicht einmal sehr einfallsreich ist. Diese Rezension war echt harte Arbeit.

Die meisten Rezensenten schreiben, während die Musik um die es geht, im Hintergrund läuft. Wir normalerweise auch. Tja, normalerweise. Beim Album “Tormisele – Hommage to Veljo Tormis” vom estnischen Tormis Quartet war das absolut nicht möglich. So sehr man sich auch bemüht, abgeklärtes Nachdenken ist hier nicht drin. Erst nach einer gewissen “Abklingzeit” ist man einigermaßen in der Lage, die Gedanken zu sortieren.

Wer die Musikszene Estlands kennt, wird schon anhand der Namen der an der vorliegenden Einspielung beteiligten Künstlerinnen ins Schwärmen geraten und unsere Begeisterung verstehen können. Das an wundervollen Gesangsstimmen überreiche Estland hat in Kadri Voorand und Liisi Koikson zwei ganz herausragende Sängerinnen zu bieten. Beide Frauen werden meist zur Kategorie der Jazz-Sängerinnen gezählt.

Liisi Koikson dürfte der bekanntere Name sein. Mit zahlreichen Alben hat sie, auch international, bereits auf sich aufmerksam machen können, wobei sie sich stilistisch sehr vielseitig gezeigt hat. Jazz, Pop, Electro, Folk sind nur ein paar Beispiele. Stets blieb einem ihre warme Stimme im Gedächtnis. Auftritte auf diversen Festivals, zahlreiche Einladungen, Preise und Ehrungen sind die Folge ihres musikalischen Schaffens.

Kadri Voorand ist nicht minder fleißig und erfolgreich, wenngleich ihr Name vornehmlich in Estland einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist. Ihr Album “Armupurjus” aus dem Jahr 2016 und die Einspielung mit dem Kadri Voorand Trio namens “Kosmoloogiline etüüd” aus dem Jahr 2012 begeistern uns bis heute. Auch sie ist eine erstklassige Sängerin und Komponistin und mit zahlreichen Preisen sowie besten Kritiken bedacht worden. Zahlreiche Tourneen, u.a. mit dem EBU European Jazz Orchestra, führten sie in viele Länder.

Desweiteren sind zwei Gitarristen Teil des Tormis Quartets: Jaak Sooäär und Paul Daniel. Beides namhafte Jazzer, wobei Jaak Sooäär der bekanntere ist. Jetzt könnte man meinen, dass die beiden Gitarren “nur” die Begleitung für Kadri Voorand und Liisi Koikson darstellen. Doch weit gefehlt, Jaak Sooäär und Paul Daniel haben von ihrer Rolle eine andere, emanzipierte Vorstellung. So stellt ihr Beitrag eher einen Gegenpart zum Gesang dar.

Das Tormis Quartet hat sich sehr freie Interpretationen der Musik von Veljo Tormis ausgedacht, bisweilen extrem frei. Sie beruhen tatsächlich auf Improvisationen. Die Kompositionen von Veljo Tormis , des großen und hochgeschätzten, 2017 verstorbenen, estnischen Komponisten von Vokalmusik basieren auf der traditionellen Musik Estlands, sind aber dennoch moderne Werke, wenngleich leicht hörbare. Die Vorgehensweise des Tormis Quartets zerstört weder den traditionellen Urcharakter der Musik, noch lassen sie die Handschrift Tormis’ vergessen und dennoch erschaffen die Vier eine vollkommen eigenständige Musik. Am schönsten jedoch finden wir, dass Liisi Koikson und Kadri Voorand mit ihren Stimmen den estnischen Grundton ihrer heimatlichen Volksmusik so vollendet erklingen lassen.

Die CD “Tormisele – Hommage to Veljo Tormis” hat es wahrlich verdient, dass sich das Label Nordic Notes ihrer angenommen hat. Nur dadurch ist es möglich, diese hochqualitative und zugleich verdammt schöne Musik einer breiten deutschen Öffentlichkeit näher zu bringen.





Vollständige Copyright-Angabe für das Foto von Veljo Tormis: Valju Aloel – Eigenes Werk, CC BY 3.0

Orientierungshilfe

Tormisele - Hommage to Veljo Tormis

Musik, so schön, dass es beinahe wehtut. Lange Zeit fiel uns nicht mehr zu dieser CD ein, als dieser eine Satz, der dazu nicht einmal sehr einfallsreich ist. Diese Rezension war echt harte Arbeit.

Die meisten Rezensenten schreiben, während die Musik um die es geht, im Hintergrund läuft. Wir normalerweise auch. Tja, normalerweise. Beim Album “Tormisele – Hommage to Veljo Tormis” vom estnischen Tormis Quartet war das absolut nicht möglich. So sehr man sich auch bemüht, abgeklärtes Nachdenken ist hier nicht drin. Erst nach einer gewissen “Abklingzeit” ist man einigermaßen in der Lage, die Gedanken zu sortieren.

Wer die Musikszene Estlands kennt, wird schon anhand der Namen der an der vorliegenden Einspielung beteiligten Künstlerinnen ins Schwärmen geraten und unsere Begeisterung verstehen können. Das an wundervollen Gesangsstimmen überreiche Estland hat in Kadri Voorand und Liisi Koikson zwei ganz herausragende Sängerinnen zu bieten. Beide Frauen werden meist zur Kategorie der Jazz-Sängerinnen gezählt.

Liisi Koikson dürfte der bekanntere Name sein. Mit zahlreichen Alben hat sie, auch international, bereits auf sich aufmerksam machen können, wobei sie sich stilistisch sehr vielseitig gezeigt hat. Jazz, Pop, Electro, Folk sind nur ein paar Beispiele. Stets blieb einem ihre warme Stimme im Gedächtnis. Auftritte auf diversen Festivals, zahlreiche Einladungen, Preise und Ehrungen sind die Folge ihres musikalischen Schaffens.

Kadri Voorand ist nicht minder fleißig und erfolgreich, wenngleich ihr Name vornehmlich in Estland einer größeren Öffentlichkeit bekannt ist. Ihr Album “Armupurjus” aus dem Jahr 2016 und die Einspielung mit dem Kadri Voorand Trio namens “Kosmoloogiline etüüd” aus dem Jahr 2012 begeistern uns bis heute. Auch sie ist eine erstklassige Sängerin und Komponistin und mit zahlreichen Preisen sowie besten Kritiken bedacht worden. Zahlreiche Tourneen, u.a. mit dem EBU European Jazz Orchestra, führten sie in viele Länder.

Desweiteren sind zwei Gitarristen Teil des Tormis Quartets: Jaak Sooäär und Paul Daniel. Beides namhafte Jazzer, wobei Jaak Sooäär der bekanntere ist. Jetzt könnte man meinen, dass die beiden Gitarren “nur” die Begleitung für Kadri Voorand und Liisi Koikson darstellen. Doch weit gefehlt, Jaak Sooäär und Paul Daniel haben von ihrer Rolle eine andere, emanzipierte Vorstellung. So stellt ihr Beitrag eher einen Gegenpart zum Gesang dar.

Das Tormis Quartet hat sich sehr freie Interpretationen der Musik von Veljo Tormis ausgedacht, bisweilen extrem frei. Sie beruhen tatsächlich auf Improvisationen. Die Kompositionen von Veljo Tormis , des großen und hochgeschätzten, 2017 verstorbenen, estnischen Komponisten von Vokalmusik basieren auf der traditionellen Musik Estlands, sind aber dennoch moderne Werke, wenngleich leicht hörbare. Die Vorgehensweise des Tormis Quartets zerstört weder den traditionellen Urcharakter der Musik, noch lassen sie die Handschrift Tormis’ vergessen und dennoch erschaffen die Vier eine vollkommen eigenständige Musik. Am schönsten jedoch finden wir, dass Liisi Koikson und Kadri Voorand mit ihren Stimmen den estnischen Grundton ihrer heimatlichen Volksmusik so vollendet erklingen lassen.

Die CD “Tormisele – Hommage to Veljo Tormis” hat es wahrlich verdient, dass sich das Label Nordic Notes ihrer angenommen hat. Nur dadurch ist es möglich, diese hochqualitative und zugleich verdammt schöne Musik einer breiten deutschen Öffentlichkeit näher zu bringen.





Vollständige Copyright-Angabe für das Foto von Veljo Tormis: Valju Aloel – Eigenes Werk, CC BY 3.0

Text date: 2018-07-13  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Herkki Erich Merila, Valju Aloel
Label: Nordic Notes
Label code: 14502
Distributor: Brokensilence
Barcode: 4251329501365
Duration: 00:49:14
Tracks: 16
Format: CD
Catalogue No: NN114
Ident-Code: 13810/1319/1



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