Sampler
Folk from Estonia

Musik ist der kulturelle Motor der kleinen und landschaftlich so reizvollen Baltenrepublik Estland. Auch die UNESCO hat den Wert der dortigen Musik erkannt und im Jahr 2003 die Lieder- und Tanzfeste in Estland, Litauen und Lettland als Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Menschheitserbes anerkannt, auch als Meisterwerk der Übertragung kultureller Werte durch Gesang. Besonders die sogenannte Daina, eine kurze Liedform, die seit dem 11. Jahrhundert existiert, zeigt, dass im Baltikum dem Gesang eine herausragende Bedeutung zukommt. Auch als friedliches Aufbegehren gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft, wie zuletzt bei der Erlangung der Unabhängigkeit von der UdSSR mit der friedlichen Revolution von 1991 in Form einer singenden und blumengeschmückten Menschenkette quer durch Estland, Lettland und Litauen.

Wir finden es sehr schön, dass sich das Label Nordic Notes nun der Folkmusik Estlands mit einem Sampler widmet: “Nordic Notes Vol 5 – Folk from Estonia”. Hierzu gleich der Hinweis, dass das diesjährige Rudolstadt Festival als Länderschwerpunkt Estland gewählt hat. Mit dem hier vorgestellten Sampler und einem Besuch dieses Festivals ergibt sich ein wohl unübertreffliches, multimediales Gesamtpaket. Zum Beispiel wird die auf dem Sampler zweimal vertretene Mari Kalkun gleich dreimal auf dem Rudolstadt Festival zu hören und sehen sein!

Alle auf dem Sampler vertretenen KünstlerInnen kann man der Gruppe der Erneuerer zurechnen, die das traditionelle musikalische Erbe durch Entwicklung und durch die Verbindung mit aktuellen Strömungen am Leben erhalten und in die Neuzeit transferieren. Wobei die einen forsch, die anderen eher behutsam vorgehen, stets aber respektvoll.

Einige KünstlerInnen des Samplers haben beim Label Nordic Notes bereits Alben veröffentlicht, wie die schon erwähnte, wunderbare Mari Kalkun. Aber beispielsweise auch Trad.Attack!, Estbel oder die faszinierende Akkordeonistin Tuulikki Bartosik sind mit Alben bei Nordic Notes vertreten. Bei anderen wird das hoffentlich bald der Fall sein. Die Gruppe Rüüt wäre ein Beispiel für eine Band, die es unbedingt verdient hätte, in Deutschland vertrieben zu werden. Hier ist u.a. der vielseitige Akkordeonist und Sänger Juhan Uppin zu hören, von dem wir große Anhänger sind, da er neben den Rüüt-Alben auch noch ansprechende Soloalben macht. Desweiteren existiert von ihm eine herrliche, auf Estnisch gesungene und nur mit Akkordeon begleitete Version des 20er-Jahre-Doelle-Schlagers “Wenn der weiße Flieder wieder blüht”.

Auch das mehr der Tradition verhaftete Trio von Katrin Soon, Ann Maria Piho und Kadri Lepasson mit dreimal Kantele, bzw. Kannel, wie das Instrument in Estland heißt, hätte größere Aufmerksamkeit verdient. Ihr letztes Album “Tempo di vals” sollte bei uns unbedingt in die Läden gestellt werden.

Um den Rahmen einer üblichen Rezension nicht zu sprengen, gehen wir nicht auf jede/n einzelne/n auf “Folk from Estonia” vertretene/n KünstlerIn ein. Auch Duo Malva & Priks, Cätlin Mägli (Foto oben), Lepaseree, Estonian Folk Orchestra, Svjata Vatra, pUULUUp und Duo Jansen Jüssi hätten eine besondere Ewähnung verdient. Wir verweisen stattdessen auf unsere bisherigen und die kommenden Rezensionen ihrer Alben.

Wer bislang noch nicht von der Folkmusik-Szene Estlands überzeugt war, wird “Folk from Estonia” als Erleuchtung empfinden. Natürlich genügen 17 Titel nicht, um eine derart reichhaltige Szene auch nur annähernd umfassend darzustellen. Dennoch ist hier eine sehr abwechslungsreiche und vor allem hochqualitative Kompilation gelungen. Wer sich auf eine Reise in die musikalische Welt Estlands begeben möchte, kann sich getrost dem Reiseführer aus dem Hause Nordic Notes anvertrauen. Tauchen Sie ein in die faszinierenden Klänge Estonias!








Orientierungshilfe

Folk from Estonia

Musik ist der kulturelle Motor der kleinen und landschaftlich so reizvollen Baltenrepublik Estland. Auch die UNESCO hat den Wert der dortigen Musik erkannt und im Jahr 2003 die Lieder- und Tanzfeste in Estland, Litauen und Lettland als Meisterwerke des immateriellen und mündlichen Menschheitserbes anerkannt, auch als Meisterwerk der Übertragung kultureller Werte durch Gesang. Besonders die sogenannte Daina, eine kurze Liedform, die seit dem 11. Jahrhundert existiert, zeigt, dass im Baltikum dem Gesang eine herausragende Bedeutung zukommt. Auch als friedliches Aufbegehren gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft, wie zuletzt bei der Erlangung der Unabhängigkeit von der UdSSR mit der friedlichen Revolution von 1991 in Form einer singenden und blumengeschmückten Menschenkette quer durch Estland, Lettland und Litauen.

Wir finden es sehr schön, dass sich das Label Nordic Notes nun der Folkmusik Estlands mit einem Sampler widmet: “Nordic Notes Vol 5 – Folk from Estonia”. Hierzu gleich der Hinweis, dass das diesjährige Rudolstadt Festival als Länderschwerpunkt Estland gewählt hat. Mit dem hier vorgestellten Sampler und einem Besuch dieses Festivals ergibt sich ein wohl unübertreffliches, multimediales Gesamtpaket. Zum Beispiel wird die auf dem Sampler zweimal vertretene Mari Kalkun gleich dreimal auf dem Rudolstadt Festival zu hören und sehen sein!

Alle auf dem Sampler vertretenen KünstlerInnen kann man der Gruppe der Erneuerer zurechnen, die das traditionelle musikalische Erbe durch Entwicklung und durch die Verbindung mit aktuellen Strömungen am Leben erhalten und in die Neuzeit transferieren. Wobei die einen forsch, die anderen eher behutsam vorgehen, stets aber respektvoll.

Einige KünstlerInnen des Samplers haben beim Label Nordic Notes bereits Alben veröffentlicht, wie die schon erwähnte, wunderbare Mari Kalkun. Aber beispielsweise auch Trad.Attack!, Estbel oder die faszinierende Akkordeonistin Tuulikki Bartosik sind mit Alben bei Nordic Notes vertreten. Bei anderen wird das hoffentlich bald der Fall sein. Die Gruppe Rüüt wäre ein Beispiel für eine Band, die es unbedingt verdient hätte, in Deutschland vertrieben zu werden. Hier ist u.a. der vielseitige Akkordeonist und Sänger Juhan Uppin zu hören, von dem wir große Anhänger sind, da er neben den Rüüt-Alben auch noch ansprechende Soloalben macht. Desweiteren existiert von ihm eine herrliche, auf Estnisch gesungene und nur mit Akkordeon begleitete Version des 20er-Jahre-Doelle-Schlagers “Wenn der weiße Flieder wieder blüht”.

Auch das mehr der Tradition verhaftete Trio von Katrin Soon, Ann Maria Piho und Kadri Lepasson mit dreimal Kantele, bzw. Kannel, wie das Instrument in Estland heißt, hätte größere Aufmerksamkeit verdient. Ihr letztes Album “Tempo di vals” sollte bei uns unbedingt in die Läden gestellt werden.

Um den Rahmen einer üblichen Rezension nicht zu sprengen, gehen wir nicht auf jede/n einzelne/n auf “Folk from Estonia” vertretene/n KünstlerIn ein. Auch Duo Malva & Priks, Cätlin Mägli (Foto oben), Lepaseree, Estonian Folk Orchestra, Svjata Vatra, pUULUUp und Duo Jansen Jüssi hätten eine besondere Ewähnung verdient. Wir verweisen stattdessen auf unsere bisherigen und die kommenden Rezensionen ihrer Alben.

Wer bislang noch nicht von der Folkmusik-Szene Estlands überzeugt war, wird “Folk from Estonia” als Erleuchtung empfinden. Natürlich genügen 17 Titel nicht, um eine derart reichhaltige Szene auch nur annähernd umfassend darzustellen. Dennoch ist hier eine sehr abwechslungsreiche und vor allem hochqualitative Kompilation gelungen. Wer sich auf eine Reise in die musikalische Welt Estlands begeben möchte, kann sich getrost dem Reiseführer aus dem Hause Nordic Notes anvertrauen. Tauchen Sie ein in die faszinierenden Klänge Estonias!








Text date: 2018-05-17  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Nordic Notes / Foto Cätlin Mägi: Thorsten Krienke
Label: Nordic Notes
Label code: LC 14502
Distributor: Broken Silence
Barcode: 425132951310
Duration: 01:03:37
Tracks: 17
Format: CD
Catalogue No: NN110
Ident-Code: 13554/2813/1



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Sinitrii: Sfäärid



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