Rim Banna
Voice of resistance

Obwohl sie seit 2009 an Krebs erkrankt war und 2015 eine Lähmung der Stimmbänder bekam, arbeitete die palästinensische Sängerin und Aktivistin Rim Banna an ihrem 13. Album. Wie wir bereits berichtet haben, ist Rim Banna am 24. März 2018 verstorben. Ihr Leben und ihre Kunst waren geprägt von Menschlichkeit, Widerstand, Gerechtigkeit und Freiheit.

Nun ist ihr 13. Album über das Norwegische Label Kirkelig Kulturverksted und im Vertrieb über Indigo erschienen. Es heißt – wie könnte es auch anders heißen? – “Voice of resistance”.

“No one can shut down my voice, not even death.”

Diesen Satz sagte Rim Banna 2015, nachdem man ihr zum zweiten Mal die Einreise nach Ägypten verweigert hatte. Diese Ankündigung hat sie mit dem neuen Album umgesetzt. Mit einer unglaublichen Energieleistung gelang es ihr, die Aufnahmen zu “Voice of resistance” im Januar 2018 abzuschließen, sodass es nun erscheinen kann.

Ein trauriges oder melancholisches Album sollte es aber keinesfalls werden – ist es auch nicht. Man hört vielmehr die Widerstandskämpferin gegen Ungerechtigkeit und Besatzung in all ihren Formen, auch wenn ihre Stimme natürlich brüchig und geschwächt klingt.

Hat David Bowie mit seinem letzten Album seinen bevorstehenden Tod künstlerisch umgesetzt, hat dies Rim Banna mit den digitalen Daten ihrer Erkrankung ähnlich gemacht. Gemeinsam mit Checkpoint 303 entwickelte sie einen Plan für ein beispielloses Audio-Experiment, bei dem Daten von Rims medizinischen Dateien (PET- und Röntgenbilder) in Töne umgewandelt wurden, zu denen Rim dann ihre eigenen Gedichte rezitierte (und wann immer möglich, singen würde), die ihren Widerstand und ihren Kampf beschreiben.

Der norwegische Jazzpianist Bugge Wesseltoft , mit dem Rim Banna auch auf dem Vorgängeralbum “Revelation of Ecstasy & Rebellion” gearbeitet hatte, konnte wieder zur Mitwirkung gewonnen werden.

Immense Bedeutung für die Musik dieses Albums hat die Transformation Rims medizinischer Scans von zweidimensionalen Bildern zu hörbaren Klangelementen. Dieser Prozess, der als “Datensonifikation” bekannt ist, wurde von Checkpoint 303 programmiert und auf von Rim ausgewählte medizinische Daten angewendet. Die Daten waren Ergebnisse der Untersuchungen der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie-Scans (Röntgenmessungen) von Rim. Die verwendeten Scans umfassten Querschnittsaufnahmen von Rims Brust, Herz, Gehirn und Rachen. Checkpoint 303 wandelte diese Bilder entweder durch direkte Sonifikation von Bildpixelwerten in ein hörbares Spektrum um oder konvertierten die Bilder in 2D-Midi-Dateien. Zusätzlich wurden zwei Porträtaufnahmen von Rim mit demselben Verfahren in Klang umgewandelt. Schließlich wurde für das letzte Lied des Albums mit dem tatsächlichen Ton des Strahlungssystems gearbeitet – während einer Strahlentherapie von Rim im Jahr 2016 in einem Krankenhaus in Berlin.

So ließen die drei MusikerInnen ein zutiefst beeindruckendes Album entstehen. Die etwas kühlen elektronischen Klänge und Beats werden durch das vorsichtige und warme Klavier von Bugge Wesseltoft gemildert. Rims Texte zeigen ein großes emotionales Spektrum – trotzig, mutig, versöhnlich, schmerzlich. Doch wird auch ihre Menschlichkeit und ihre Positivität deutlich.





Orientierungshilfe

Voice of resistance

Obwohl sie seit 2009 an Krebs erkrankt war und 2015 eine Lähmung der Stimmbänder bekam, arbeitete die palästinensische Sängerin und Aktivistin Rim Banna an ihrem 13. Album. Wie wir bereits berichtet haben, ist Rim Banna am 24. März 2018 verstorben. Ihr Leben und ihre Kunst waren geprägt von Menschlichkeit, Widerstand, Gerechtigkeit und Freiheit.

Nun ist ihr 13. Album über das Norwegische Label Kirkelig Kulturverksted und im Vertrieb über Indigo erschienen. Es heißt – wie könnte es auch anders heißen? – “Voice of resistance”.

“No one can shut down my voice, not even death.”

Diesen Satz sagte Rim Banna 2015, nachdem man ihr zum zweiten Mal die Einreise nach Ägypten verweigert hatte. Diese Ankündigung hat sie mit dem neuen Album umgesetzt. Mit einer unglaublichen Energieleistung gelang es ihr, die Aufnahmen zu “Voice of resistance” im Januar 2018 abzuschließen, sodass es nun erscheinen kann.

Ein trauriges oder melancholisches Album sollte es aber keinesfalls werden – ist es auch nicht. Man hört vielmehr die Widerstandskämpferin gegen Ungerechtigkeit und Besatzung in all ihren Formen, auch wenn ihre Stimme natürlich brüchig und geschwächt klingt.

Hat David Bowie mit seinem letzten Album seinen bevorstehenden Tod künstlerisch umgesetzt, hat dies Rim Banna mit den digitalen Daten ihrer Erkrankung ähnlich gemacht. Gemeinsam mit Checkpoint 303 entwickelte sie einen Plan für ein beispielloses Audio-Experiment, bei dem Daten von Rims medizinischen Dateien (PET- und Röntgenbilder) in Töne umgewandelt wurden, zu denen Rim dann ihre eigenen Gedichte rezitierte (und wann immer möglich, singen würde), die ihren Widerstand und ihren Kampf beschreiben.

Der norwegische Jazzpianist Bugge Wesseltoft , mit dem Rim Banna auch auf dem Vorgängeralbum “Revelation of Ecstasy & Rebellion” gearbeitet hatte, konnte wieder zur Mitwirkung gewonnen werden.

Immense Bedeutung für die Musik dieses Albums hat die Transformation Rims medizinischer Scans von zweidimensionalen Bildern zu hörbaren Klangelementen. Dieser Prozess, der als “Datensonifikation” bekannt ist, wurde von Checkpoint 303 programmiert und auf von Rim ausgewählte medizinische Daten angewendet. Die Daten waren Ergebnisse der Untersuchungen der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Computertomographie-Scans (Röntgenmessungen) von Rim. Die verwendeten Scans umfassten Querschnittsaufnahmen von Rims Brust, Herz, Gehirn und Rachen. Checkpoint 303 wandelte diese Bilder entweder durch direkte Sonifikation von Bildpixelwerten in ein hörbares Spektrum um oder konvertierten die Bilder in 2D-Midi-Dateien. Zusätzlich wurden zwei Porträtaufnahmen von Rim mit demselben Verfahren in Klang umgewandelt. Schließlich wurde für das letzte Lied des Albums mit dem tatsächlichen Ton des Strahlungssystems gearbeitet – während einer Strahlentherapie von Rim im Jahr 2016 in einem Krankenhaus in Berlin.

So ließen die drei MusikerInnen ein zutiefst beeindruckendes Album entstehen. Die etwas kühlen elektronischen Klänge und Beats werden durch das vorsichtige und warme Klavier von Bugge Wesseltoft gemildert. Rims Texte zeigen ein großes emotionales Spektrum – trotzig, mutig, versöhnlich, schmerzlich. Doch wird auch ihre Menschlichkeit und ihre Positivität deutlich.





Text date: 2018-04-20  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Geir Henriksen, Kirkelig Kulturverksted, Unknown
Label: Kirkelig Kulturverksted
Label code: LC 05783
Distributor: Indigo
Producer: Checkpoint 303, Erik Hillestad
Duration: 01:00:59
Tracks: 15
Ident-Code: 13441/973/1



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