Päivi Hirvonen
Alku

Keine Musik für Jedermann! Nordic Notes, bekannt als mutiges und innovatives Label, beweist mit Päivi Hirvonens neuer Veröffentlichung “Alku” (dt. “Anfang”), dass diese Zuschreibung sehr berechtigt ist.

Lauscht man nach Finnland, muss man immer damit rechnen, etwas zu hören, das ganz und gar nicht in den Mainstream passt. Musik, die sich regelrecht dagegen sträubt, sofort zu gefallen. Die finnischen KünstlerInnen sind nämlich gerne eigensinnig, frech, unkonventionell und vor allem sehr kreativ.

Vielleicht liegt es an der Geschichte des Landes, das wiederholt und zuletzt nach dem zweiten Weltkrieg am Boden lag und quasi aus dem Nichts heraus (und ohne Unterstützung der USA, wie es in Deutschland der Fall war) etwas Neues schaffen musste. Da waren Ausdauer, Kreativität, Mut und Erfindungsgabe gefragt. In dieser Situation wuchs den Frauen, wie so oft, die tragende Rolle in der Gesellschaft zu. Schon wieder einmal mussten sie den Karren aus dem Dreck ziehen, wo die Männer ihn stehen ließen. Kein Wunder also, dass das weibliche Geschlecht in Finnland in der Regel stark und sehr selbstbewusst ist.

Päivi Hirvonen scheint genau in dieses Bild zu passen, denn ihre Musik strotzt vor Selbstbewusstsein. Allein ihre Stimme kann extrem kräftig und laut sein, aber auch wundervoll zart und schönklingend. Ihre Musik ist mehr Kunstmusik als Folkmusik. Auch wenn sie auf traditionelle finnische Musik zurückgeht, ist Volksmusik nur die Basis, auf der Päivi Hirvonen ihr eigenes musikalisches Gebäude errichtet. Die heimischen Klänge dienen ihr mehr als Inspirationsquelle als dass sie diese in ihre Musik übernähme.

Päivi Hirvonen experimentiert, sie verbiegt und durchmischt ihre Musik nach Belieben. Mit Stimme, Violine und Jouhikko erzeugt sie zwar keinesfalls atonale Musik, aber trotzdem Musik, die gelegentlich sperrig ist. Die Kompositionen sind vom Ausdruck her sehr unterschiedlich. Von beschaulich und sogar etwas lieblich, bis extrem verwegen und schräg, reicht Hirvonens Palette des Ausdrucks.

Dass “Alku” absolut dünn instrumentiert und sehr unverfälscht aufgenommen ist, vergisst man im Laufe der Zeit. Denn Päivi Hirvonen schafft durch das rege musikalische Geschehen so viel Abwechslung und Bewegung, dass man eher an ein Ensemble denkt, als an eine Solokünstlerin. Im Mittelpunkt steht ihr gelegentlich archaisch klingender und in manchen Momenten an das Joiken erinnernder Gesang. Die Instrumente werden entweder zur Stimmführung, zur Begleitung oder für Dialoge eingesetzt.

Auch wenn in uns, nachdem wir “Alku” mehrfach gehört haben, große Begeisterung für Päivi Hirvonens neues Album erwuchs, bleiben wir bei der Einschätzung, dass es sich hier um Musik handelt, die vielen zu “schwer” ist. Musikalisches Zuckergebäck ist “Alku” wahrlich nicht, will es auch nicht sein. Aber es ist ein faszinierendes und anspruchsvolles Werk, das phasenweise sogar an zeitgenössische Kammermusik erinnert. Dennoch bleibt in den Stücken stets ein Folk-Charakter erhalten, allerdings unterschiedlich intensiv.

Wir möchten unsere LeserInnen unbedingt ermutigen, sich mit dieser neuartigen und völlig eigenständigen Musik zu beschäftigen. Sie/er wird am Ende reichlich belohnt.



Orientierungshilfe

Alku

Keine Musik für Jedermann! Nordic Notes, bekannt als mutiges und innovatives Label, beweist mit Päivi Hirvonens neuer Veröffentlichung “Alku” (dt. “Anfang”), dass diese Zuschreibung sehr berechtigt ist.

Lauscht man nach Finnland, muss man immer damit rechnen, etwas zu hören, das ganz und gar nicht in den Mainstream passt. Musik, die sich regelrecht dagegen sträubt, sofort zu gefallen. Die finnischen KünstlerInnen sind nämlich gerne eigensinnig, frech, unkonventionell und vor allem sehr kreativ.

Vielleicht liegt es an der Geschichte des Landes, das wiederholt und zuletzt nach dem zweiten Weltkrieg am Boden lag und quasi aus dem Nichts heraus (und ohne Unterstützung der USA, wie es in Deutschland der Fall war) etwas Neues schaffen musste. Da waren Ausdauer, Kreativität, Mut und Erfindungsgabe gefragt. In dieser Situation wuchs den Frauen, wie so oft, die tragende Rolle in der Gesellschaft zu. Schon wieder einmal mussten sie den Karren aus dem Dreck ziehen, wo die Männer ihn stehen ließen. Kein Wunder also, dass das weibliche Geschlecht in Finnland in der Regel stark und sehr selbstbewusst ist.

Päivi Hirvonen scheint genau in dieses Bild zu passen, denn ihre Musik strotzt vor Selbstbewusstsein. Allein ihre Stimme kann extrem kräftig und laut sein, aber auch wundervoll zart und schönklingend. Ihre Musik ist mehr Kunstmusik als Folkmusik. Auch wenn sie auf traditionelle finnische Musik zurückgeht, ist Volksmusik nur die Basis, auf der Päivi Hirvonen ihr eigenes musikalisches Gebäude errichtet. Die heimischen Klänge dienen ihr mehr als Inspirationsquelle als dass sie diese in ihre Musik übernähme.

Päivi Hirvonen experimentiert, sie verbiegt und durchmischt ihre Musik nach Belieben. Mit Stimme, Violine und Jouhikko erzeugt sie zwar keinesfalls atonale Musik, aber trotzdem Musik, die gelegentlich sperrig ist. Die Kompositionen sind vom Ausdruck her sehr unterschiedlich. Von beschaulich und sogar etwas lieblich, bis extrem verwegen und schräg, reicht Hirvonens Palette des Ausdrucks.

Dass “Alku” absolut dünn instrumentiert und sehr unverfälscht aufgenommen ist, vergisst man im Laufe der Zeit. Denn Päivi Hirvonen schafft durch das rege musikalische Geschehen so viel Abwechslung und Bewegung, dass man eher an ein Ensemble denkt, als an eine Solokünstlerin. Im Mittelpunkt steht ihr gelegentlich archaisch klingender und in manchen Momenten an das Joiken erinnernder Gesang. Die Instrumente werden entweder zur Stimmführung, zur Begleitung oder für Dialoge eingesetzt.

Auch wenn in uns, nachdem wir “Alku” mehrfach gehört haben, große Begeisterung für Päivi Hirvonens neues Album erwuchs, bleiben wir bei der Einschätzung, dass es sich hier um Musik handelt, die vielen zu “schwer” ist. Musikalisches Zuckergebäck ist “Alku” wahrlich nicht, will es auch nicht sein. Aber es ist ein faszinierendes und anspruchsvolles Werk, das phasenweise sogar an zeitgenössische Kammermusik erinnert. Dennoch bleibt in den Stücken stets ein Folk-Charakter erhalten, allerdings unterschiedlich intensiv.

Wir möchten unsere LeserInnen unbedingt ermutigen, sich mit dieser neuartigen und völlig eigenständigen Musik zu beschäftigen. Sie/er wird am Ende reichlich belohnt.



Text date: 2018-01-26  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Antti Kokkola
Label: Nordic Notes
Label code: LC 14502
Distributor: Broken Silence
Producer: Päivi Hirvonen, Esko Grundström, Tero Pajunen
Barcode: 4251329501235
Duration: 00:45:35
Tracks: 7
Format: CD
Catalogue No: NN102
Ident-Code: 12741/940/1



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