Olga Arefieva & Kovcheg
Триптиц

Es ist schon ziemlich lange her, dass wir Olga Arefieva (Ольга Арефьева) im Jahr 2000 mit ihrem Album “Batakakumba” (“Батакакумба”, 1995) kennenlernten. Die russische Musikerin, Komponistin und Autorin hatte uns mit ihrem melancholischen, dennoch lockeren und irgendwie eigenwilligen Reggae-Mix sofort als Fans gewonnen.

Als wir uns in der Folge näher mit ihr beschäftigten, kamen noch weitere Seiten dieser vielseitigen Künstlerin zutage. Neben ihrer Musikkarriere ist sie auch als Schriftstellerin tätig und lebt ihre Kreativität anscheinend in jeder sich bietenden Form aus. Auch wenn sie in erster Linie als Musikerin auftritt, ist ihr Selbstverständnis anscheinend eher das einer Multimedia-Künstlerin. Sie tritt solo wie auch mit der von ihr ins Leben gerufenen und geleiteten Band “Kovcheg” auf. Der Bandname bedeutet auf Deutsch “Arche”. Olga Arefieva hat vier Bücher verfasst und einen Preis für ihre Gedichte erhalten. Sie gibt verschiedene Kurse (u.a. zum Thema Körperkunst) und betätigt sich artistisch. Olga Arefieva hat an der Russischen Musikakademie Gnessin in Moskau studiert.

Ein weiteres Merkmal Olga Arefievas, ist ihr großes Interesse an philosophischen bzw. universal-religiösen Themen. Nicht nur ihre Bücher und Gedichte, auch ihre Liedtexte kreisen oftmals um Fragen nach dem Hier und Jetzt, Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Gut und Böse. Im Grunde entspricht sie damit auch unserem Bild der tiefgründigen und melancholischen russischen Seele. Dieses tiefe Empfinden klingt auch im Volksglauben, in der Volkskunst und am deutlichsten in den wunderschönen Volksliedern Russlands an. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit russischen (und nicht nur russischen) spirituellen Gesangstraditionen. Ihre Theater- und Musik-Projekte mit Hymnen und Gesängen über Ewigkeit und Tod haben ein enormes Interesse in ihrer Heimat geweckt.

Olga Arefieva hat 21 Alben veröffentlicht. Das Debütalbum “Kovcheg” erschien 1991. Mit dem Erfolg, der sich ab Mitte der 1990er-Jahre einstellte, wuchs auch ihre Bekanntheit in Russland schnell, wobei sie sich als vielseitige Singer-Songwriterin einen Namen machte. Olga Arefieva hat heuer Jahr zwei Alben veröffentlicht. Anfang des Jahres erschien “Ангел и девочка” (dt: “Der Engel und das Mädchen”), was mit seinem Rock-Reggae-Mix ein eher typisches Album Arefievas darstellt.

Das zweite Album dieses Jahres, “Триптиц” (“Triptits” – der Name verbindet die russischen Wörter für “Triptychon” und “drei Vögel”), reifte lange und enthält nur einen Bruchteil dessen, was Olga aufnehmen wollte. In verschiedenen vorangegangenen Projekten hat sie archaische hypnotische Lieder aus den dunklen Kellern des Volksgedächtnisses geholt und sie mutig ins Licht der Welt gestellt. Auf “Триптиц” geht sie nun einen Schritt weiter. Sie nimmt alte Volkslieder und verwandelt sie in modern klingende Musik. Sie kombiniert archaische Gesänge mit Electro-Sounds. So konsequent und gekonnt, wie man es selten hört.

Bei “Триптиц” erhielt sie wieder Unterstützung von Timur Ibatullin. Ihn hatte Olga Arefieva auch zu ihren beiden Vorgängeralben dazugeholt. Timur Ibatullin hat die Aufnahmen und die Abmischung gemacht und ist auf “Triptits” auch als Musiker (Bass, Perkussion, Keyboards, Gesang) zu hören. Daneben wirkten Peter Akimov und Sergey Indukov als Musiker mit. Natalia Zährenkowa, Elena Kalagina, Julia Teunikova, Adrian Gusseinov und Timurs Tochter, die siebenjährige Diana Ibatullina, haben als Sängerinnen teilgenommen. Von Olga Arefieva stammen die Ideen zum Album, die Auswahl der Lieder sowie die herrlichen Illustrationen. Natürlich war sie auch als Sängerin beteiligt und lieferte die Samples.

“Триптиц” lebt von der inneren Kraft, der von den Gesängen ausgeht. Darunter sind ukrainische Volkslieder, russisch-orthodoxe, griechische wie auch indische (geistliche) Lieder. In allen ist die selbe Atmosphäre und Innigkeit zu hören. Sie alle übermitteln die gleiche universelle Botschaft und sie stellen die gleichen Sinnfragen. Für Olga Arefieva unterscheiden sich orthodoxe Volkstradition, das hinduistische Mantra und die Rock-Hymnen der Hippie-Bewegung nicht.

Je länger man sich mit der Kunst Olga Arefievas beschäftigt, desto deutlicher wird, welch eine zarte und zerbrechliche Person sie zu sein scheint. Dabei versinkt sie keinesfalls in Selbstmitleid oder Weltschmerz, sondern tritt als realistische, “geerdete”, mutige und tatkräftige Frau auf. Sie lebt ihre Einstellung konsequent und kann durch ihre Arbeit vielen Menschen ihre grundlegenden philosophischen Gedanken näherbringen.

“Триптиц” lebt von großer Innigkeit und archaisch-polyphonem Gesang. Die oftmals hypnotischen Gesänge wurden wunderbar ungekünstelt aufgenommen. Die Produktion kann als mustergültig angesehen werden. Selbst die “modernen” Bestandteile der Musik wurden mit großem Fingespitzengefühl inszeniert. Neben Electronik kommen auch verschiedene akustische Instrumente zum Einsatz. Darunter auch exotische, wie Sitar.

Das Album gipfelt im einzigen von Olga Arefieva selbst verfassten Stück des Albums, “Смерти нет” (dt: “Es gibt keinen Tod”). Sie hatte dieses Stück schon seit langer Zeit in ihrem Live-Repertoire. Nun endlich ist es im Studio aufgenommen worden. Hier fasst sie relativ kurz ihre umfassende Sicht der Welt zusammen (siehe Textauszug unten, den Olga Arefieva freundlicherweise für uns übersetzen ließ).

Olga Arefieva schenkt uns mit “Триптиц” ein Album, mit dem sie uns spüren lässt, welch positive Wirkung es haben könnte, würden wir uns zumindest kurzzeitig von unserer künstlichen Welt abwenden und uns dem Kommerzwahn widersetzen. “Триптиц” ist keine vergeistigte Musik, sondern geistreiche. Der offene und allgemeine religiöse Ansatz Olga Arefievas von einer Welt ohne einen Gott, ohne Päpste oder Propheten, die sich als gottgesandt bezeichnen, gefällt uns angesichts einer zerstrittenen Welt mit täglichen religiös motivierten Greueltaten umso mehr.

Die optische Aufmachung des Albums ist überaus gelungen. Das Gemälde auf der Vorderseite stammt vom bekannten russischen Künstler Ivan Bilibin. Auf dem Gemälde ist rechts die sehr populäre slawische Märchengestalt Baba Yaga (vor der Hütte auf Hühnerbeinen) zu sehen, die häufig in den Werken Bilibins auftaucht. Im Beiheft sind alle Texte in russischer Sprache enthalten.







Orientierungshilfe

Триптиц

Es ist schon ziemlich lange her, dass wir Olga Arefieva (Ольга Арефьева) im Jahr 2000 mit ihrem Album “Batakakumba” (“Батакакумба”, 1995) kennenlernten. Die russische Musikerin, Komponistin und Autorin hatte uns mit ihrem melancholischen, dennoch lockeren und irgendwie eigenwilligen Reggae-Mix sofort als Fans gewonnen.

Als wir uns in der Folge näher mit ihr beschäftigten, kamen noch weitere Seiten dieser vielseitigen Künstlerin zutage. Neben ihrer Musikkarriere ist sie auch als Schriftstellerin tätig und lebt ihre Kreativität anscheinend in jeder sich bietenden Form aus. Auch wenn sie in erster Linie als Musikerin auftritt, ist ihr Selbstverständnis anscheinend eher das einer Multimedia-Künstlerin. Sie tritt solo wie auch mit der von ihr ins Leben gerufenen und geleiteten Band “Kovcheg” auf. Der Bandname bedeutet auf Deutsch “Arche”. Olga Arefieva hat vier Bücher verfasst und einen Preis für ihre Gedichte erhalten. Sie gibt verschiedene Kurse (u.a. zum Thema Körperkunst) und betätigt sich artistisch. Olga Arefieva hat an der Russischen Musikakademie Gnessin in Moskau studiert.

Ein weiteres Merkmal Olga Arefievas, ist ihr großes Interesse an philosophischen bzw. universal-religiösen Themen. Nicht nur ihre Bücher und Gedichte, auch ihre Liedtexte kreisen oftmals um Fragen nach dem Hier und Jetzt, Diesseits und Jenseits, Leben und Tod, Gut und Böse. Im Grunde entspricht sie damit auch unserem Bild der tiefgründigen und melancholischen russischen Seele. Dieses tiefe Empfinden klingt auch im Volksglauben, in der Volkskunst und am deutlichsten in den wunderschönen Volksliedern Russlands an. Seit Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit russischen (und nicht nur russischen) spirituellen Gesangstraditionen. Ihre Theater- und Musik-Projekte mit Hymnen und Gesängen über Ewigkeit und Tod haben ein enormes Interesse in ihrer Heimat geweckt.

Olga Arefieva hat 21 Alben veröffentlicht. Das Debütalbum “Kovcheg” erschien 1991. Mit dem Erfolg, der sich ab Mitte der 1990er-Jahre einstellte, wuchs auch ihre Bekanntheit in Russland schnell, wobei sie sich als vielseitige Singer-Songwriterin einen Namen machte. Olga Arefieva hat heuer Jahr zwei Alben veröffentlicht. Anfang des Jahres erschien “Ангел и девочка” (dt: “Der Engel und das Mädchen”), was mit seinem Rock-Reggae-Mix ein eher typisches Album Arefievas darstellt.

Das zweite Album dieses Jahres, “Триптиц” (“Triptits” – der Name verbindet die russischen Wörter für “Triptychon” und “drei Vögel”), reifte lange und enthält nur einen Bruchteil dessen, was Olga aufnehmen wollte. In verschiedenen vorangegangenen Projekten hat sie archaische hypnotische Lieder aus den dunklen Kellern des Volksgedächtnisses geholt und sie mutig ins Licht der Welt gestellt. Auf “Триптиц” geht sie nun einen Schritt weiter. Sie nimmt alte Volkslieder und verwandelt sie in modern klingende Musik. Sie kombiniert archaische Gesänge mit Electro-Sounds. So konsequent und gekonnt, wie man es selten hört.

Bei “Триптиц” erhielt sie wieder Unterstützung von Timur Ibatullin. Ihn hatte Olga Arefieva auch zu ihren beiden Vorgängeralben dazugeholt. Timur Ibatullin hat die Aufnahmen und die Abmischung gemacht und ist auf “Triptits” auch als Musiker (Bass, Perkussion, Keyboards, Gesang) zu hören. Daneben wirkten Peter Akimov und Sergey Indukov als Musiker mit. Natalia Zährenkowa, Elena Kalagina, Julia Teunikova, Adrian Gusseinov und Timurs Tochter, die siebenjährige Diana Ibatullina, haben als Sängerinnen teilgenommen. Von Olga Arefieva stammen die Ideen zum Album, die Auswahl der Lieder sowie die herrlichen Illustrationen. Natürlich war sie auch als Sängerin beteiligt und lieferte die Samples.

“Триптиц” lebt von der inneren Kraft, der von den Gesängen ausgeht. Darunter sind ukrainische Volkslieder, russisch-orthodoxe, griechische wie auch indische (geistliche) Lieder. In allen ist die selbe Atmosphäre und Innigkeit zu hören. Sie alle übermitteln die gleiche universelle Botschaft und sie stellen die gleichen Sinnfragen. Für Olga Arefieva unterscheiden sich orthodoxe Volkstradition, das hinduistische Mantra und die Rock-Hymnen der Hippie-Bewegung nicht.

Je länger man sich mit der Kunst Olga Arefievas beschäftigt, desto deutlicher wird, welch eine zarte und zerbrechliche Person sie zu sein scheint. Dabei versinkt sie keinesfalls in Selbstmitleid oder Weltschmerz, sondern tritt als realistische, “geerdete”, mutige und tatkräftige Frau auf. Sie lebt ihre Einstellung konsequent und kann durch ihre Arbeit vielen Menschen ihre grundlegenden philosophischen Gedanken näherbringen.

“Триптиц” lebt von großer Innigkeit und archaisch-polyphonem Gesang. Die oftmals hypnotischen Gesänge wurden wunderbar ungekünstelt aufgenommen. Die Produktion kann als mustergültig angesehen werden. Selbst die “modernen” Bestandteile der Musik wurden mit großem Fingespitzengefühl inszeniert. Neben Electronik kommen auch verschiedene akustische Instrumente zum Einsatz. Darunter auch exotische, wie Sitar.

Das Album gipfelt im einzigen von Olga Arefieva selbst verfassten Stück des Albums, “Смерти нет” (dt: “Es gibt keinen Tod”). Sie hatte dieses Stück schon seit langer Zeit in ihrem Live-Repertoire. Nun endlich ist es im Studio aufgenommen worden. Hier fasst sie relativ kurz ihre umfassende Sicht der Welt zusammen (siehe Textauszug unten, den Olga Arefieva freundlicherweise für uns übersetzen ließ).

Olga Arefieva schenkt uns mit “Триптиц” ein Album, mit dem sie uns spüren lässt, welch positive Wirkung es haben könnte, würden wir uns zumindest kurzzeitig von unserer künstlichen Welt abwenden und uns dem Kommerzwahn widersetzen. “Триптиц” ist keine vergeistigte Musik, sondern geistreiche. Der offene und allgemeine religiöse Ansatz Olga Arefievas von einer Welt ohne einen Gott, ohne Päpste oder Propheten, die sich als gottgesandt bezeichnen, gefällt uns angesichts einer zerstrittenen Welt mit täglichen religiös motivierten Greueltaten umso mehr.

Die optische Aufmachung des Albums ist überaus gelungen. Das Gemälde auf der Vorderseite stammt vom bekannten russischen Künstler Ivan Bilibin. Auf dem Gemälde ist rechts die sehr populäre slawische Märchengestalt Baba Yaga (vor der Hütte auf Hühnerbeinen) zu sehen, die häufig in den Werken Bilibins auftaucht. Im Beiheft sind alle Texte in russischer Sprache enthalten.







Text date: 2017-12-19  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Katya Bessmertnaya, Ivan Bilibin, Союз Мьюзик
Label: Союз Мьюзик
Barcode: 4610027694685
Duration: 00:50:06
Tracks: 11
Ident-Code: 12579/1020/1


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