Okra Playground
Ääneni Yli Vesien

“Meine Stimme über dem Wasser” – ein schöner Albumtitel. Doch “Ääneni Yli Vesien”, so der finnische Originaltitel des neuen Albums von Okra Playground, hat nicht nur einen schönen Titel, sondern auch schöne und, vor allen Dingen, richtig spannende Musik zu bieten.

Wer noch das Debütalbum “Turmio” von 2015 im Ohr hat, wird sich sicher auch noch an den ungestümen Opener “Kaunokieli” erinnern, der quasi wie eine Quintessenz all das zusammenfasst, wofür der Name Okra Playground steht. Auch beim neuen Album zeigt bereits das Eingangsstück “Kevät”, wo sich das Sextett aus Helsinki momentan musikalisch sieht, bzw. wo die Entwicklung sie hingeführt hat.

Und in der Tat, wirkt “Ääneni Yli Vesien” eine Spur reifer und souveräner als das Debütalbum. Die provokanten Elemente treten nicht mehr so stark in den Vordergrund. Mag natürlich sein, dass wir uns nur schon daran gewöhnt haben, aber irgendwie scheinen Okra Playground hier auf Extreme ein wenig verzichten zu wollen. Stattdessen präsentieren sie eine verbindlichere und ausgeglichenere Musik. Aber man darf sich nicht täuschen, Okra Playground sind keineswegs müde geworden. “Juoruaja” und “Viinavilli” wären Beispiele dafür, dass sie auch weiterhin antreten wollen, um die Grenzbereiche der heimischen Folkmusik auszuloten.

Als finnische Folkband haben Okra Playground mit Päivi Hirvonen, Maija Kauhanen und Essi Muikku drei Sängerinnen an Bord, die sich bestens auf den, fast schon als Schreigesang zu bezeichnenden, karelisch-finnischen Vokalstil verstehen. Allerdings sind die Stimmen der drei Damen so variabel, dass sie darüberhinaus überraschend viele Facetten dessen aufzeigen, was mit Frauenstimmen möglich ist und der Ausdruck reicht bis ins Aggressive. Insgesamt ist der Gesang beim neuen Album noch eine Spur faszinierender als beim Debüt.

Die Arrangements und die Instrumentierung zeugen von ungemein viel Kreativität. Wenn mit der Jouhikko asiatisch anmutende Melodien gespielt werden, wie bei “Rautasuu”, ist das Resultat Exotik pur. Der Titel zeigt auch wieder etwas, was Okra Playground perfekt beherrschen: Die Steigerung eines Liedes von unscheinbaren ersten Klängen hin zum mit verschlungenen Melodielinien aufgebauten Höhepunkt. Auch der gekonnte Einsatz von Elektronik kann als eine ihrer Stärken bezeichnet werden.

Wer nach dem Hören von Okra Playgrounds “Ääneni Yli Vesien” im Zusammenhang mit Folkmusik immer noch von verstaubter und antiquierter Musik spricht, muss einen Gehörschaden haben. 2018 scheint angesichts der bereits jetzt erschienenen Spitzenalben ein musikalisch gutes Jahr zu werden. “Ääneni Yli Vesien” verstärkt diesen Eindruck noch.

Zum Glück hat man bei Nordic Notes nicht die Ausgaben gescheut, um die CD in eine angemessene Verpackung zu stecken. So hat “Ääneni Yli Vesien” nicht nur eine ansprechende Optik bekommen, sondern auch ein informatives Beiheft mit allen Texten in der finnischen Originalsprache sowie kurzen englischsprachigen Einführungen. Genügend Material für eine höchst genüssliche Dreiviertelstunde.

Am kommenden Mittwoch (28.3.) findet übrigens im G Livelab in Helsinki (Yrjönkatu 3) das Releasekonzert von “Ääneni Yli Vesien” statt. Wer ohnehin schon in der Stadt weilt, sollte sich den Termin vormerken.




Orientierungshilfe

Ääneni Yli Vesien

“Meine Stimme über dem Wasser” – ein schöner Albumtitel. Doch “Ääneni Yli Vesien”, so der finnische Originaltitel des neuen Albums von Okra Playground, hat nicht nur einen schönen Titel, sondern auch schöne und, vor allen Dingen, richtig spannende Musik zu bieten.

Wer noch das Debütalbum “Turmio” von 2015 im Ohr hat, wird sich sicher auch noch an den ungestümen Opener “Kaunokieli” erinnern, der quasi wie eine Quintessenz all das zusammenfasst, wofür der Name Okra Playground steht. Auch beim neuen Album zeigt bereits das Eingangsstück “Kevät”, wo sich das Sextett aus Helsinki momentan musikalisch sieht, bzw. wo die Entwicklung sie hingeführt hat.

Und in der Tat, wirkt “Ääneni Yli Vesien” eine Spur reifer und souveräner als das Debütalbum. Die provokanten Elemente treten nicht mehr so stark in den Vordergrund. Mag natürlich sein, dass wir uns nur schon daran gewöhnt haben, aber irgendwie scheinen Okra Playground hier auf Extreme ein wenig verzichten zu wollen. Stattdessen präsentieren sie eine verbindlichere und ausgeglichenere Musik. Aber man darf sich nicht täuschen, Okra Playground sind keineswegs müde geworden. “Juoruaja” und “Viinavilli” wären Beispiele dafür, dass sie auch weiterhin antreten wollen, um die Grenzbereiche der heimischen Folkmusik auszuloten.

Als finnische Folkband haben Okra Playground mit Päivi Hirvonen, Maija Kauhanen und Essi Muikku drei Sängerinnen an Bord, die sich bestens auf den, fast schon als Schreigesang zu bezeichnenden, karelisch-finnischen Vokalstil verstehen. Allerdings sind die Stimmen der drei Damen so variabel, dass sie darüberhinaus überraschend viele Facetten dessen aufzeigen, was mit Frauenstimmen möglich ist und der Ausdruck reicht bis ins Aggressive. Insgesamt ist der Gesang beim neuen Album noch eine Spur faszinierender als beim Debüt.

Die Arrangements und die Instrumentierung zeugen von ungemein viel Kreativität. Wenn mit der Jouhikko asiatisch anmutende Melodien gespielt werden, wie bei “Rautasuu”, ist das Resultat Exotik pur. Der Titel zeigt auch wieder etwas, was Okra Playground perfekt beherrschen: Die Steigerung eines Liedes von unscheinbaren ersten Klängen hin zum mit verschlungenen Melodielinien aufgebauten Höhepunkt. Auch der gekonnte Einsatz von Elektronik kann als eine ihrer Stärken bezeichnet werden.

Wer nach dem Hören von Okra Playgrounds “Ääneni Yli Vesien” im Zusammenhang mit Folkmusik immer noch von verstaubter und antiquierter Musik spricht, muss einen Gehörschaden haben. 2018 scheint angesichts der bereits jetzt erschienenen Spitzenalben ein musikalisch gutes Jahr zu werden. “Ääneni Yli Vesien” verstärkt diesen Eindruck noch.

Zum Glück hat man bei Nordic Notes nicht die Ausgaben gescheut, um die CD in eine angemessene Verpackung zu stecken. So hat “Ääneni Yli Vesien” nicht nur eine ansprechende Optik bekommen, sondern auch ein informatives Beiheft mit allen Texten in der finnischen Originalsprache sowie kurzen englischsprachigen Einführungen. Genügend Material für eine höchst genüssliche Dreiviertelstunde.

Am kommenden Mittwoch (28.3.) findet übrigens im G Livelab in Helsinki (Yrjönkatu 3) das Releasekonzert von “Ääneni Yli Vesien” statt. Wer ohnehin schon in der Stadt weilt, sollte sich den Termin vormerken.




Text date: 2018-03-23  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Nordic Notes, A. Kokkola
Label: Nordic Notes
Label code: LC 14502
Distributor: Broken Silence
Barcode: 4251329501266
Duration: 00:40:51
Tracks: 10
Format: CD
Catalogue No: NN105
Ident-Code: 13142/386/1



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