Johanna Juhola
Diivan Jäljet

Ja, auch in Finnland gibt es Paradiesvögel. In großer Anzahl sogar und oftmals weiblichen Geschlechts. Einer der buntesten ist sicher Johanna Juhola. Immer wenn wir an die finnische Akkordeonistin denken, müssen wir unweigerlich schmunzeln.

Zum ersten Mal nahmen wir von Johanna Juhola Notiz als sie 2007 PMMP bei ihrem Unplugged-Konzert auf dem Helsinkier Huvila-Festival mit dem Akkordeon verstärkte und dabei die Synthesizerparts so gut ersetzte, dass man sich gewünscht hätte, sie wäre bei PMMP eingestiegen. Wir erinnern uns insbesondere an “Taiteilija”, weil das Stück in der Version mit Juhola noch besser als das Original gewesen ist. Leider gibt es davon kein Video im Netz, außer einem kurzen und schlecht klingenden Ausschnitt (2008 gab es in Finnland eine DVD namens “Kuulkaas” mit Ausschnitten des Konzerts). Wir wissen zwar nicht, ob Johanna Juhola die Akkordeonparts selbst schrieb, aber wir vermuten, dass sie zumindest daran beteiligt war. Auf jeden Fall passte sie auch optisch sehr gut zu den beiden quirligen und herrlich verrrückten PMMP-Sängerinnen.

Johanna Juhola ist Jahrgang 1978 und studierte an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Ihr Schwerpunkt ist der Tango, aber nicht der 08-15-Tango, sondern Juholas spezieller “Fantasiatango”, wie zwei ihrer Soloalben heißen. Das bedeutet eigentlich nur, dass man nie weiß, was man zu hören bekommt, wenn man eine neue Scheibe von ihr einlegt. In ihrer Musik finden sich sowohl der melancholische finnische Tango, wie der leidenschaftliche argentinische Tango, oder auch der experimentelle Tango des Astor Piazzolla . Darüberhinaus scheut sie nicht davor zurück, die finnische Volksmusik einzubinden, Pop-Klänge aufzunehmen oder mit Elektronik zu liebäugeln. Wie gesagt, der Name Juhola steht für Unberechenbarkeit. Es gibt auf ihren Alben eigentlich nur eine Konstante und das ist ihr faszinierendes, vielseitiges und technisch perfektes Akkordeonspiel. Sie verleiht jeder Musik ihre persönliche Note. Egal ob Sehnsucht, Lebensfreude, Trauer, Schmerz, Liebe, Glück, Frische, Behaglichkeit – sie kann es mit ihrem Instrument ausdrücken.

Künstlerinnen auf diesem Niveau sind selbstverständlich nicht nur mit einem Projekt beschäftigt. Bei Juhola handelt es sich um eine lange Liste: Johanna Juhola Reaktori, Troka, Kraft, Johanna Juhola Trio, Johanna Juhola & Imaginary Friends, Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola, Tango Orchestra Unto, Timo Alakotila & Johanna Juhola Duo und Las Chicas del Tango. Es kann aber durchaus sein, dass wir noch ein paar Namen vergessen haben.

Nun gibt es Anlass, sich über ihr neues Album “Diivan Jäljet” zu freuen, denn dieses ist einfach nur bezaubernd. Als wäre es die Quintessenz ihres bisherigen musikalischen Schaffens, breitet sie darauf einen Fächer aus, der von ihren Soloalben bis zu den Alben vieler ihrer Nebenprojekte reicht. Gleichzeitig schimmert ihr ganz persönlicher Stil nicht nur durch, sondern wird durch die Vielgestaltigkeit der Musik deutlicher denn je. Doch Juhola blickt auf “Diivan Jäljet” nicht in die Vergangenheit, sondern erfindet sich neu und holt eine Reihe Musiker ins Studio, die man nicht mit ihr in Verbindung gebracht hätte. Das wären z.B. der Rapper Tommy Lindgren oder die Electro-Pop-Sängerin Yona. Gewundert haben wir uns auch über den Namen von Emma Salokoski, deren Musik etwas uneindeutig in Richtung Jazz-Pop geht.

Die einzige Melodie des Albums, die nicht von Johanna Juhola geschrieben wurde, stammt aus dem traditionellen Stück “Tanhutrauma”. Juhola nahm es zu Ehren ihres Onkels, eines Komponisten, auf, der in ihrer Kindheit eine Volkstanzgruppe leitete und dessen Verdienst es war, dass sie sich überhaupt für das Akkordeon als Instrument zu interessieren begann, was letztlich den Anstoß für ihre musikalische Karriere gab.

Angesichts der vielen finnischen Alben, die bei uns regelmäßig für Begeisterung sorgen, ist es natürlich etwas gewagt, “Diivan Jäljet” schon jetzt zu einem der besten finnischen Alben 2018 zu erklären. Aber eines der besten diesjährigen finnischen Alben mit Tango-infizierter Musik ist es ganz bestimmt. Echt umwerfend!






Orientierungshilfe

Diivan Jäljet

Ja, auch in Finnland gibt es Paradiesvögel. In großer Anzahl sogar und oftmals weiblichen Geschlechts. Einer der buntesten ist sicher Johanna Juhola. Immer wenn wir an die finnische Akkordeonistin denken, müssen wir unweigerlich schmunzeln.

Zum ersten Mal nahmen wir von Johanna Juhola Notiz als sie 2007 PMMP bei ihrem Unplugged-Konzert auf dem Helsinkier Huvila-Festival mit dem Akkordeon verstärkte und dabei die Synthesizerparts so gut ersetzte, dass man sich gewünscht hätte, sie wäre bei PMMP eingestiegen. Wir erinnern uns insbesondere an “Taiteilija”, weil das Stück in der Version mit Juhola noch besser als das Original gewesen ist. Leider gibt es davon kein Video im Netz, außer einem kurzen und schlecht klingenden Ausschnitt (2008 gab es in Finnland eine DVD namens “Kuulkaas” mit Ausschnitten des Konzerts). Wir wissen zwar nicht, ob Johanna Juhola die Akkordeonparts selbst schrieb, aber wir vermuten, dass sie zumindest daran beteiligt war. Auf jeden Fall passte sie auch optisch sehr gut zu den beiden quirligen und herrlich verrrückten PMMP-Sängerinnen.

Johanna Juhola ist Jahrgang 1978 und studierte an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Ihr Schwerpunkt ist der Tango, aber nicht der 08-15-Tango, sondern Juholas spezieller “Fantasiatango”, wie zwei ihrer Soloalben heißen. Das bedeutet eigentlich nur, dass man nie weiß, was man zu hören bekommt, wenn man eine neue Scheibe von ihr einlegt. In ihrer Musik finden sich sowohl der melancholische finnische Tango, wie der leidenschaftliche argentinische Tango, oder auch der experimentelle Tango des Astor Piazzolla . Darüberhinaus scheut sie nicht davor zurück, die finnische Volksmusik einzubinden, Pop-Klänge aufzunehmen oder mit Elektronik zu liebäugeln. Wie gesagt, der Name Juhola steht für Unberechenbarkeit. Es gibt auf ihren Alben eigentlich nur eine Konstante und das ist ihr faszinierendes, vielseitiges und technisch perfektes Akkordeonspiel. Sie verleiht jeder Musik ihre persönliche Note. Egal ob Sehnsucht, Lebensfreude, Trauer, Schmerz, Liebe, Glück, Frische, Behaglichkeit – sie kann es mit ihrem Instrument ausdrücken.

Künstlerinnen auf diesem Niveau sind selbstverständlich nicht nur mit einem Projekt beschäftigt. Bei Juhola handelt es sich um eine lange Liste: Johanna Juhola Reaktori, Troka, Kraft, Johanna Juhola Trio, Johanna Juhola & Imaginary Friends, Duo Milla Viljamaa & Johanna Juhola, Tango Orchestra Unto, Timo Alakotila & Johanna Juhola Duo und Las Chicas del Tango. Es kann aber durchaus sein, dass wir noch ein paar Namen vergessen haben.

Nun gibt es Anlass, sich über ihr neues Album “Diivan Jäljet” zu freuen, denn dieses ist einfach nur bezaubernd. Als wäre es die Quintessenz ihres bisherigen musikalischen Schaffens, breitet sie darauf einen Fächer aus, der von ihren Soloalben bis zu den Alben vieler ihrer Nebenprojekte reicht. Gleichzeitig schimmert ihr ganz persönlicher Stil nicht nur durch, sondern wird durch die Vielgestaltigkeit der Musik deutlicher denn je. Doch Juhola blickt auf “Diivan Jäljet” nicht in die Vergangenheit, sondern erfindet sich neu und holt eine Reihe Musiker ins Studio, die man nicht mit ihr in Verbindung gebracht hätte. Das wären z.B. der Rapper Tommy Lindgren oder die Electro-Pop-Sängerin Yona. Gewundert haben wir uns auch über den Namen von Emma Salokoski, deren Musik etwas uneindeutig in Richtung Jazz-Pop geht.

Die einzige Melodie des Albums, die nicht von Johanna Juhola geschrieben wurde, stammt aus dem traditionellen Stück “Tanhutrauma”. Juhola nahm es zu Ehren ihres Onkels, eines Komponisten, auf, der in ihrer Kindheit eine Volkstanzgruppe leitete und dessen Verdienst es war, dass sie sich überhaupt für das Akkordeon als Instrument zu interessieren begann, was letztlich den Anstoß für ihre musikalische Karriere gab.

Angesichts der vielen finnischen Alben, die bei uns regelmäßig für Begeisterung sorgen, ist es natürlich etwas gewagt, “Diivan Jäljet” schon jetzt zu einem der besten finnischen Alben 2018 zu erklären. Aber eines der besten diesjährigen finnischen Alben mit Tango-infizierter Musik ist es ganz bestimmt. Echt umwerfend!






Text date: 2018-03-27  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Sami Perttilä, Jimmy Träskelin
Label: Westpark Music
Label code: LC 07535
Producer: Tuomas Norvio, Johanna Juhola
Barcode: 4015698015218
Duration: 00:43:32
Tracks: 10
Ident-Code: 13101/538/1



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