Dirtmusic
Bu Bir Ruya

Dirtmusic ist ein 2007 gegründetes Bandprojekt, aktuell bestehend aus Chris Eckman von den Walkabouts und Hugo Race, unter anderem Gründungsmitglied von Nick Cave and the Bad Seeds . Glitterbeat Records kümmert sich um die Veröffentlichung ihrer Alben, so auch bei ihrem neuen Album “Bu Bir Ruya”.

Chris Eckman und Hugo Race kann man als zwei kulturell und musikalisch weltoffene Zeitgenossen bezeichnen. Sie bewegen sich ohne jegliche Berührungsängste über alle tatsächlichen oder vermeintlichen Grenzen hinweg. Hört man ihre mittlerweile fünf Alben durch, erkennt man ein starkes Interesse an Nordwest-Afrika (Mali).

Für “Bu Bir Ruya” haben Dirtmusic mit dem Türken Murat Ertel von Baba Zula zusammengearbeitet. Sie besuchten ihn im Dezember 2016 in seinem Heimstudio, einer umgebauten Werkstatt in einem Vorort von Istanbul. Wohlwissend, dass in der Türkei mittlerweile ein neuer, anderer Geist umherwandert.

Doch Chris Eckman und Hugo Race schrecken auch vor der neuen politischen Realität in der Türkei nicht zurück. Im Gegenteil, sie greifen sie in ihren Texten auf. Auch ein weiteres hochaktuelles Thema blieb nicht außen vor: Flucht und Vertreibung. Chris Eckman reiste von Slowenien aus in die Türkei und hatte die mit Stacheldraht gesicherte Südgrenze Sloweniens vor Augen, als er bei Murat Ertel eintraf. Und der Australier Hugo Race ist ganz und gar nicht erfreut über die Entscheidung in seiner Heimat, Flüchtlinge auf unbestimmte Zeit und auf weit entfernt gelegenen Inseln in Lagern zu internieren.

Die Musik von Dirtmusic klang nie sonderlich euphorisch und war selten dazu geeignet, die Stimmungslage der HörerInnen aufzuhellen. Doch auf “Bu Bir Ruya” sind sie noch ein deutliches Stück ernster geworden. Wen wundert das angesichts der Themen? Auch wenn ihre Musik aufgrund der starken Rhythmik auf den Körper wirkt, bekommt man nicht viel Lust, sich dazu zu bewegen.

“Recording like this is truly in the moment, there are no preconceptions to satisfy and the music and words are improvised. We drew inspiration from the atmosphere of Istanbul, the general disaffection with the state media and the uncertainty of the immediate future.”

Murat Ertels Einfluss ist auf “Bu Bir Ruya” deutlich zu hören. Zwar hat er den gewohnten Sound von Dirtmusic nicht komplett geändert. Doch Chris Eckman und Hugo Race ließen ihm sehr viel Spielraum, wodurch “Bu Bir Ruya” auch eine orientalische Note bekam. In erster Linie sind es die Rhythmusfiguren, die mit ihrer hypnotischen Wirkung die Musik bestimmen. Auch der stark mit Effekten verfremdete und meist verzerrte Klang der Saz ist sehr prägend.

Insgesamt hat sich bei uns eine gewisse Bedrücktheit eingestellt, nachdem wir uns “Bu Bir Ruya” reinzogen. Die offenen Fragen und ungelösten Probleme unserer Zeit schlichen sich in unsere Gedanken. Eine sich in der Musik und den Texten widerspiegelnde Ratlosigkeit ergriff uns. Murat Ertel, Chris Eckman und Hugo Race hatten vor, eine Geschichte von Grenzen und Mauern, von kalten Fronten und kalten Herzen, zu erzählen. Es ist ihnen in beeindruckender Weise gelungen.

“We need music like this to stay sane”

– Murat Ertel





Orientierungshilfe

Bu Bir Ruya

Dirtmusic ist ein 2007 gegründetes Bandprojekt, aktuell bestehend aus Chris Eckman von den Walkabouts und Hugo Race, unter anderem Gründungsmitglied von Nick Cave and the Bad Seeds . Glitterbeat Records kümmert sich um die Veröffentlichung ihrer Alben, so auch bei ihrem neuen Album “Bu Bir Ruya”.

Chris Eckman und Hugo Race kann man als zwei kulturell und musikalisch weltoffene Zeitgenossen bezeichnen. Sie bewegen sich ohne jegliche Berührungsängste über alle tatsächlichen oder vermeintlichen Grenzen hinweg. Hört man ihre mittlerweile fünf Alben durch, erkennt man ein starkes Interesse an Nordwest-Afrika (Mali).

Für “Bu Bir Ruya” haben Dirtmusic mit dem Türken Murat Ertel von Baba Zula zusammengearbeitet. Sie besuchten ihn im Dezember 2016 in seinem Heimstudio, einer umgebauten Werkstatt in einem Vorort von Istanbul. Wohlwissend, dass in der Türkei mittlerweile ein neuer, anderer Geist umherwandert.

Doch Chris Eckman und Hugo Race schrecken auch vor der neuen politischen Realität in der Türkei nicht zurück. Im Gegenteil, sie greifen sie in ihren Texten auf. Auch ein weiteres hochaktuelles Thema blieb nicht außen vor: Flucht und Vertreibung. Chris Eckman reiste von Slowenien aus in die Türkei und hatte die mit Stacheldraht gesicherte Südgrenze Sloweniens vor Augen, als er bei Murat Ertel eintraf. Und der Australier Hugo Race ist ganz und gar nicht erfreut über die Entscheidung in seiner Heimat, Flüchtlinge auf unbestimmte Zeit und auf weit entfernt gelegenen Inseln in Lagern zu internieren.

Die Musik von Dirtmusic klang nie sonderlich euphorisch und war selten dazu geeignet, die Stimmungslage der HörerInnen aufzuhellen. Doch auf “Bu Bir Ruya” sind sie noch ein deutliches Stück ernster geworden. Wen wundert das angesichts der Themen? Auch wenn ihre Musik aufgrund der starken Rhythmik auf den Körper wirkt, bekommt man nicht viel Lust, sich dazu zu bewegen.

“Recording like this is truly in the moment, there are no preconceptions to satisfy and the music and words are improvised. We drew inspiration from the atmosphere of Istanbul, the general disaffection with the state media and the uncertainty of the immediate future.”

Murat Ertels Einfluss ist auf “Bu Bir Ruya” deutlich zu hören. Zwar hat er den gewohnten Sound von Dirtmusic nicht komplett geändert. Doch Chris Eckman und Hugo Race ließen ihm sehr viel Spielraum, wodurch “Bu Bir Ruya” auch eine orientalische Note bekam. In erster Linie sind es die Rhythmusfiguren, die mit ihrer hypnotischen Wirkung die Musik bestimmen. Auch der stark mit Effekten verfremdete und meist verzerrte Klang der Saz ist sehr prägend.

Insgesamt hat sich bei uns eine gewisse Bedrücktheit eingestellt, nachdem wir uns “Bu Bir Ruya” reinzogen. Die offenen Fragen und ungelösten Probleme unserer Zeit schlichen sich in unsere Gedanken. Eine sich in der Musik und den Texten widerspiegelnde Ratlosigkeit ergriff uns. Murat Ertel, Chris Eckman und Hugo Race hatten vor, eine Geschichte von Grenzen und Mauern, von kalten Fronten und kalten Herzen, zu erzählen. Es ist ihnen in beeindruckender Weise gelungen.

“We need music like this to stay sane”

– Murat Ertel





Text date: 2018-01-26  
Text: © Global Music Magazine  
Photo credits: © Jaba Babnik, Glitterbeat Records
Label: Glitterbeat Records
Label code: LC 41276
Distributor: Indigo
Producer: Murat Ertel, Hugo Race, Chris Eckman
Barcode: 4030433605523
Duration: 00:42:16
Tracks: 7
Format: CD, Vinyl + DL-Code, Digital
Catalogue No: GBCD/LP 055
Ident-Code: 12745/1104/1



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