WDR Big Band
Jazz Al' Arab

„Der Maghreb ist ein heiliger Vogel: Sein Leib ist Algerien, sein rechter Flügel Tunesien, sein linker Marokko”, weiß ein arabisches Sprichwort. Der Schnabel dieses Wunderwesens reicht sogar bis Köln, wie man jetzt auf der CD „Jazz Al’Arab” hören kann.

Diese Produktion bringt die eben mit dem Grammy ausgezeichnete WDR Bigband mit den Musikstars Karim Ziad, Aziz Sahmaoui, Mehdi Askeur und Rhani Krija zusammen – vier weltoffenen Maghrebiniern, die auch schon mit Joe Zawinul, Sting, Klaus Doldinger oder im „Orchestre National de Barbès” zu hören waren. „Jazz Al’Arab”, Auftakt der ambitionierten und aufwendig gestalteten 8000er-Reihe von nrw Records, macht erfreulich deutlich, wie nah sich der europäische und der arabische Westen (Maghreb heißt wortwörtlich „Westen”) kommen können – wenn man den Dialog sucht und die Kommunikation fördert. Die neun Stücke dieser CD, drei Traditionals und sechs Neukompositionen, wurden so einfühlsam wie genüsslich von Michael Gibbs arrangiert, einem versierten Veteranen, der auch schon bei Gary Burton, Jaco Pastorius, Joni Mitchell oder Peter Gabriel für Wohlklang sorgte. In etwas über 75 Minuten vermittelt das Album Unmengen von Sympathie und Spaß, Spielfreude und Spannung.

„Diese Musik ist elektrisierend und energetisch, aber vor allem gelebt und gefühlt – mit einem Wort: beseelt”, meint Lucas M. Schmid, Produzent der WDR Bigband, der nicht nur die Idee zu dieser kulturellen Zusammenkunft hatte, sondern auch selbst die Gaststars in Paris gescoutet hat. „Natürlich ist „Jazz Al’Arab” auch ein Paradebeispiel für die Möglichkeiten kultureller Integration. Schon bei den Konzerten war zu merken, wie sich die Bigband von den Gästen anstecken lässt und wie versiert die Gäste ihrerseits diesem Klangkörper begegnen. Es steckt sehr viel Herzblut in „Jazz Al’Arab”.” Das spürt man, vom energisch groovenden „Jabario” über den „Joker” des serbischen Jazzpianisten Bojan Zulfikarpasic bis zur atemberaubenden Bearbeitung des Gnawa-Traditionals „Aït Oumrar”. Die Idee dieses Zusammentreffens ist großartig. Die daraus resultierende Musik sogar noch besser.

„Es war uns wichtig, die Musik zu transformieren und auf allen Seiten Neugier zu schüren; so dass sich schließlich alle Beteiligten auf einer großen gemeinsamen Ebene treffen konnten”, erklärt Lucas M. Schmid. „Wir haben das Programm vor zweieinhalb Jahren schon einmal aufgeführt. Das Material war gut, aber die Umsetzung noch nicht ganz so. Wir sind es dann noch einmal neu durchgegangen. Dadurch bekam die Musik diese nötige und wichtige Selbstverständlichkeit. Unnötige Zurückhaltungen sind überwunden, die Musiker sind einander vertrauter. Es ist ein musikalisches Gespräch geworden, wie man bei dieser Live-Aufnahme bestens heraushört. Nichts ist retouchiert, alles klingt und lebt – miteinander und zusammen.”

WDR Big Band + GästeDie Aufnahmen zu „Jazz Al’Arab” entstanden im letzten Jahr im Rahmen eines Konzertes in der Philharmonie Köln. Was für ein Fest das gewesen sein muss, wird auch auf CD deutlich – im großen Ganzen und in Details, wie etwa den Soli von Olivier Peters am EWI, Frank Chastenier am Klavier, Andy Haderer auf dem Flügelhorn oder den Schlagzeugeskapaden von Karim Ziad und Hans Dekker. Die Bigband kommt dabei ebenso zum Tragen, wie die gesanglichen und perkussiven Höhenflüge der „Orchestre National de Barbès”-Gründer Karim Ziad, Aziz Sahmaoui und Mehdi Askeur oder des Sting-Perkussionisten Rhani Krija. Schon der kolossale Funk von „Jabario” reißt unmittelbar und unabdinglich mit. Geschrieben und gesungen wurde diese einstimmende Ode an den Allmächtigen von Aziz Sahmaoui. „Er ist ein musikalisches Genie”, findet Lucas M. Schmid. „Und außerdem ein Poet! Die Lobeshymne, die er im traditionellen „Zawiya” improvisiert – auch textlich – erzählt von seinen Erlebnissen im Zusammenhang mit dieser Produktion.” Dabei hört man, nach einem der sagenhaften Breaks der Bigband, ziemlich genau in der Mitte dieses elfeinhalbminütigen Wüstenritts, unter den vielen europäischen Namen auch den von Michael Gibbs. Mit gutem Grund: Die Arrangements des 69-jährigen Briten aus Harare bauen die maghrebinischen Fundamente mutig aus – harmonisch und rhythmisch. „Michael Gibbs kannte diese Musik vor unserem Projekt nicht wirklich”, meint Lucas M. Schmid. „Aber er war sofort begeistert, als ich ihm ein paar der Sachen vorgespielt hatte. Seine Konzepte sind sehr offen. Und die Tatsache, dass er die Bigband eben nicht orchestral benutzt und den Gästen ihre Freiräume lässt, sorgt dafür, dass die Musik nicht erwürgt sondern eher befreit wird.”

Tatsächlich gelingt es Michael Gibbs immer wieder elegante Brücken zu arrangieren, die „Jazz Al’Arab” so natürlich und gewachsen klingen lassen, wie nur wenige Produktionen dieser Art. Die Musiker gehen im echten Zusammenspiel aufeinander ein, hören zu, reagieren und entzünden einander ständig aufs Neue. Dabei respektieren sie einander – und natürlich das musikalische Material. Egal, ob es sich um „Musique Profane” handelt, wie etwa beim ironischen Mann-Frau-Dialog „Sawye”, um den Rai-Hit „Meli Ana” oder, wie bei „Aït Oumrar”, um sehr spirituelle, religiöse Musik. „Es ist uns bei der Arbeit mit der Bigband immer wichtig, die Leute zu überraschen, neue Blickwinkel zu fördern und trotz aller Erhabenheit der Musik über Religion oder Politik, eben allein mit der Aufforderung zum Dialog auch ein politisches Statement abzugeben”, erklärt Lucas M. Schmid. „Ich bin mir ganz sicher, dass „Jazz Al’Arab” in jeder Hinsicht sehr gelungen ist. Jedes Mal, wenn ich die CD höre – und das ist wirklich häufig – begeistert mich die Musik. Und genau so soll es sein.”

GMM: Die CD ist nicht nur was für Jazzfans. Wie zwei gleichberechtigte Partner spielen hier eine Bigband und ein arabisches Vokal-/Percussion-Ensemble zusammen. Besonders die Tracks 1 und 3 sind hervorzuheben: Funkiger, leicht rauher Groove mit so viel Power gespielt, dass man sich wünscht, bei dem Konzert dabei gewesen zu sein. Wieder einmal beweist NRW Records hier seinen untrügerischen Instinkt für Qualität.

Tracklisting:
1. Jabario 5:48
2. Sawye 6:13
3. Meli Ana 5:50
4. Gwarir 5:43
5. Ait Oumrar 9:29
6. The Joker 10:28
7. Chalini 6:56
8. Zawiya 11:23
9. Yahdik Allah 13:08

Besetzung:
Karim Ziad voc, dr
Aziz Sahmaoui voc, perc
Mehdi Askeur voc, perc, acc
Rhani Krija voc, perc

WDR Big Band Köln:
Michael Gibbs cond, arr
Heiner Wiberny as
Karolina Strassmayer as
Olivier Peters ts, ewi
Paul Heller ts, ss
Jens Neufang bs
Andy Haderer tp, flh
Rob Bruynen tp
Klaus Osterloh tp
John Marshall tp, flh
Martijn de Laat tp
Ludwig Nuß tb
Dave Horler tb
Bernt Laukamp tb
Mattis Cederberg b-tb
Frank Chastenier p
Paul Shigihara git
John Goldsby b
Hans Dekker dr

Orientierungshilfe

Jazz Al' Arab

„Der Maghreb ist ein heiliger Vogel: Sein Leib ist Algerien, sein rechter Flügel Tunesien, sein linker Marokko”, weiß ein arabisches Sprichwort. Der Schnabel dieses Wunderwesens reicht sogar bis Köln, wie man jetzt auf der CD „Jazz Al’Arab” hören kann.

Diese Produktion bringt die eben mit dem Grammy ausgezeichnete WDR Bigband mit den Musikstars Karim Ziad, Aziz Sahmaoui, Mehdi Askeur und Rhani Krija zusammen – vier weltoffenen Maghrebiniern, die auch schon mit Joe Zawinul, Sting, Klaus Doldinger oder im „Orchestre National de Barbès” zu hören waren. „Jazz Al’Arab”, Auftakt der ambitionierten und aufwendig gestalteten 8000er-Reihe von nrw Records, macht erfreulich deutlich, wie nah sich der europäische und der arabische Westen (Maghreb heißt wortwörtlich „Westen”) kommen können – wenn man den Dialog sucht und die Kommunikation fördert. Die neun Stücke dieser CD, drei Traditionals und sechs Neukompositionen, wurden so einfühlsam wie genüsslich von Michael Gibbs arrangiert, einem versierten Veteranen, der auch schon bei Gary Burton, Jaco Pastorius, Joni Mitchell oder Peter Gabriel für Wohlklang sorgte. In etwas über 75 Minuten vermittelt das Album Unmengen von Sympathie und Spaß, Spielfreude und Spannung.

„Diese Musik ist elektrisierend und energetisch, aber vor allem gelebt und gefühlt – mit einem Wort: beseelt”, meint Lucas M. Schmid, Produzent der WDR Bigband, der nicht nur die Idee zu dieser kulturellen Zusammenkunft hatte, sondern auch selbst die Gaststars in Paris gescoutet hat. „Natürlich ist „Jazz Al’Arab” auch ein Paradebeispiel für die Möglichkeiten kultureller Integration. Schon bei den Konzerten war zu merken, wie sich die Bigband von den Gästen anstecken lässt und wie versiert die Gäste ihrerseits diesem Klangkörper begegnen. Es steckt sehr viel Herzblut in „Jazz Al’Arab”.” Das spürt man, vom energisch groovenden „Jabario” über den „Joker” des serbischen Jazzpianisten Bojan Zulfikarpasic bis zur atemberaubenden Bearbeitung des Gnawa-Traditionals „Aït Oumrar”. Die Idee dieses Zusammentreffens ist großartig. Die daraus resultierende Musik sogar noch besser.

„Es war uns wichtig, die Musik zu transformieren und auf allen Seiten Neugier zu schüren; so dass sich schließlich alle Beteiligten auf einer großen gemeinsamen Ebene treffen konnten”, erklärt Lucas M. Schmid. „Wir haben das Programm vor zweieinhalb Jahren schon einmal aufgeführt. Das Material war gut, aber die Umsetzung noch nicht ganz so. Wir sind es dann noch einmal neu durchgegangen. Dadurch bekam die Musik diese nötige und wichtige Selbstverständlichkeit. Unnötige Zurückhaltungen sind überwunden, die Musiker sind einander vertrauter. Es ist ein musikalisches Gespräch geworden, wie man bei dieser Live-Aufnahme bestens heraushört. Nichts ist retouchiert, alles klingt und lebt – miteinander und zusammen.”

WDR Big Band + GästeDie Aufnahmen zu „Jazz Al’Arab” entstanden im letzten Jahr im Rahmen eines Konzertes in der Philharmonie Köln. Was für ein Fest das gewesen sein muss, wird auch auf CD deutlich – im großen Ganzen und in Details, wie etwa den Soli von Olivier Peters am EWI, Frank Chastenier am Klavier, Andy Haderer auf dem Flügelhorn oder den Schlagzeugeskapaden von Karim Ziad und Hans Dekker. Die Bigband kommt dabei ebenso zum Tragen, wie die gesanglichen und perkussiven Höhenflüge der „Orchestre National de Barbès”-Gründer Karim Ziad, Aziz Sahmaoui und Mehdi Askeur oder des Sting-Perkussionisten Rhani Krija. Schon der kolossale Funk von „Jabario” reißt unmittelbar und unabdinglich mit. Geschrieben und gesungen wurde diese einstimmende Ode an den Allmächtigen von Aziz Sahmaoui. „Er ist ein musikalisches Genie”, findet Lucas M. Schmid. „Und außerdem ein Poet! Die Lobeshymne, die er im traditionellen „Zawiya” improvisiert – auch textlich – erzählt von seinen Erlebnissen im Zusammenhang mit dieser Produktion.” Dabei hört man, nach einem der sagenhaften Breaks der Bigband, ziemlich genau in der Mitte dieses elfeinhalbminütigen Wüstenritts, unter den vielen europäischen Namen auch den von Michael Gibbs. Mit gutem Grund: Die Arrangements des 69-jährigen Briten aus Harare bauen die maghrebinischen Fundamente mutig aus – harmonisch und rhythmisch. „Michael Gibbs kannte diese Musik vor unserem Projekt nicht wirklich”, meint Lucas M. Schmid. „Aber er war sofort begeistert, als ich ihm ein paar der Sachen vorgespielt hatte. Seine Konzepte sind sehr offen. Und die Tatsache, dass er die Bigband eben nicht orchestral benutzt und den Gästen ihre Freiräume lässt, sorgt dafür, dass die Musik nicht erwürgt sondern eher befreit wird.”

Tatsächlich gelingt es Michael Gibbs immer wieder elegante Brücken zu arrangieren, die „Jazz Al’Arab” so natürlich und gewachsen klingen lassen, wie nur wenige Produktionen dieser Art. Die Musiker gehen im echten Zusammenspiel aufeinander ein, hören zu, reagieren und entzünden einander ständig aufs Neue. Dabei respektieren sie einander – und natürlich das musikalische Material. Egal, ob es sich um „Musique Profane” handelt, wie etwa beim ironischen Mann-Frau-Dialog „Sawye”, um den Rai-Hit „Meli Ana” oder, wie bei „Aït Oumrar”, um sehr spirituelle, religiöse Musik. „Es ist uns bei der Arbeit mit der Bigband immer wichtig, die Leute zu überraschen, neue Blickwinkel zu fördern und trotz aller Erhabenheit der Musik über Religion oder Politik, eben allein mit der Aufforderung zum Dialog auch ein politisches Statement abzugeben”, erklärt Lucas M. Schmid. „Ich bin mir ganz sicher, dass „Jazz Al’Arab” in jeder Hinsicht sehr gelungen ist. Jedes Mal, wenn ich die CD höre – und das ist wirklich häufig – begeistert mich die Musik. Und genau so soll es sein.”

GMM: Die CD ist nicht nur was für Jazzfans. Wie zwei gleichberechtigte Partner spielen hier eine Bigband und ein arabisches Vokal-/Percussion-Ensemble zusammen. Besonders die Tracks 1 und 3 sind hervorzuheben: Funkiger, leicht rauher Groove mit so viel Power gespielt, dass man sich wünscht, bei dem Konzert dabei gewesen zu sein. Wieder einmal beweist NRW Records hier seinen untrügerischen Instinkt für Qualität.

Tracklisting:
1. Jabario 5:48
2. Sawye 6:13
3. Meli Ana 5:50
4. Gwarir 5:43
5. Ait Oumrar 9:29
6. The Joker 10:28
7. Chalini 6:56
8. Zawiya 11:23
9. Yahdik Allah 13:08

Besetzung:
Karim Ziad voc, dr
Aziz Sahmaoui voc, perc
Mehdi Askeur voc, perc, acc
Rhani Krija voc, perc

WDR Big Band Köln:
Michael Gibbs cond, arr
Heiner Wiberny as
Karolina Strassmayer as
Olivier Peters ts, ewi
Paul Heller ts, ss
Jens Neufang bs
Andy Haderer tp, flh
Rob Bruynen tp
Klaus Osterloh tp
John Marshall tp, flh
Martijn de Laat tp
Ludwig Nuß tb
Dave Horler tb
Bernt Laukamp tb
Mattis Cederberg b-tb
Frank Chastenier p
Paul Shigihara git
John Goldsby b
Hans Dekker dr

Text date: 2007-05-04  
Text: © NRW Records  
Distributor: NRW Vertrieb
Ident-Code: 177/2507/1


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