Trio Macchiato
Cafe Mediterraneo

So wechselvoll und multikulturell wie die Geschichte des Kaffees ist die der Kaffeehäuser. Von Istanbul über Venedig nach London, Wien und Paris führte vom 16.Jahrhundert an ihr Siegeszug. An vielen Orten entwickelten sich Literatur und schließlich auch Variété und die Musik zu gepflegten Begleitern des aromatischen schwarzen Getränks. In Wien engagierte man 1788 erstmals Musikanten fürs Café Bellevue, in Paris wurden die „café concerts” zur festen Institution. Heute, wo die Historie des Kaffeehauses in Lounges, Café Bars und Filialen großer Ketten fortgeschrieben wird, ist der Genuss des belebenden Trunks beileibe nicht nur mit coolem Clubsound kompatibel. Auf höchstem musikalischen Niveau wird Nostalgie gepflegt, nicht museal, sondern durch kreative Verfeinerung des Alten – genau so, wie es die Kaffeekultur des frühen 21. Jahrhunderts tut. Dabei spiegeln die Ensembles die vielen geographischen Farben der Café-Historie in ihrem Repertoire wider. Das international besetzte Trio Macchiato zählt zu den Meistern dieses Fachs und gibt nun auch auf Silberling einen Einblick in seine faszinierende Schatztruhe. „Café Mediterranéo” lädt zu einer amüsanten, entspannten und zugleich dynamisch-anregenden Reise ein und zeigt, wie man heutzutage seinen Café au Lait, Latte Macchaito, den Mokka oder die Mélange zu Musette-Walzern, Gitan- und Balkan-Feuer, Tango-Melancholie und Canzone-Charme genießt.

Mit Esprit und Virtuosität spielen die drei Vollblutmusiker des Trio Macchiato unterschiedlichste Facetten des Entertainments aus: Mal wandelt der Zuhörer mit ihnen zu Akkordeonklängen am Ufer der Seine entlang, auf der Suche nach einem netten Bistro, findet sich kurz darauf schmachtend unter den Arkaden eines Adria-Cafés wieder, sinkt dann zu Geigenromantik ins plüschige Mobiliar eines Wiener Kaffeehauses. Slawische Weisen, mal wild, mal schwermütig, vermischen sich genauso mit den Aromen aus der Tasse wie Piazzolla-Klänge von der anderen Seite des Globus.

triomediteraneo.jpgDiese Souveränität im Umgang mit der Musik der Völker kommt nicht von ungefähr – alle drei sind versierte Könner mit lebhafter Vorgeschichte. Geigerin Jana Mishenina schöpft seit vielen Jahren sowohl aus Jazz, Klassik, wie auch osteuropäischen Brunnen. Ihre Ausbildung empfing sie am Moskauer Konservatorium und in Amsterdam, später trug sie mit ihrem virtuosen Bogenstrich zu Auftritten der Philharmonie der Nationen und des Concerto Grosso Frankfurt bei. Mit ihrem eigenen Ensemble hat sie Klangwelten zwischen Georgien, dem slawischen Raum und Modern Jazz ausgelotet. Zu dieser Truppe zählte auch schon Jakob Neubauer, der nun im Trio für die verschiedenen Balginstrumente von Akkordeon bis Bandoneon zuständig ist. Er ist die zweite russische Seele des Trios und stammt aus St. Petersburg, wo er bereits vor drei Dekaden den Großen Russischen Akkordeonwettbewerb gewinnen konnte. Über Gastspiele auf Londoner, Pariser und Berliner Bühnenbrettern führte ihn sein Weg in die neue Heimat Hamburg – mit Erfolg: die Staatsoper und das Schauspielhaus sind nur zwei seiner illustren Betätigungsfelder. Bassist Henry Altmann schließlich gibt als Dritter im Bunde einen kosmopolitisch-deutschen Impuls. Der Allgäuer lebt die Reiselust seiner französischen Zigeunervorfahren voll aus, verbrachte Studien- und Lebensjahre in New York und Paris, wirkte am Festspielhaus Hellerau und Staatstheater Junge Generation/Dresden. Verfeinert wird das Dreiergefüge durch flinke Handperkussion von Yogi Yokusch und dezente Saitenarbeit der Gitarristen Werner Neumann und Harald P. Bohner.

Die Auftritte des Trio Macchiato sind unvergessliche Erlebnisse für alle Sinne. Im berühmten Restaurant “Esskultur” mitten auf St.Pauli sind sie genauso gern gesehene Gäste wie auf einer Kreuzfahrt mit der MS Bremen. Höchste Zeit war es also, diese gelungene Hochzeit zwischen Musikgenuss und Kaffeehauskultur auch auf CD zu bannen.

Leichtfüßig-schwungvoll und doch mit detailverliebten Arrangements entführt das Trio in eine vielgesichtige und geschmackvolle Reiseroute für die Ohren, von Budapest bis Buenos Aires. Da sind die Klassiker der französischen Akkordeonliteratur, die die Glanzzeit der Rue de Lappe und ihrer Bals Musettes heraufbeschwören, wie Gus Viseurs wiegende „Flambée Montalbanaise” und die von Manouche-Klängen gewürzte Nummer „Rhythm Gitans” aus der Feder von Jo Privat. Die „Suite Médtierranée” ehrt den einzigartigen französischen Filmkomponisten Antoine Duhamel mit Arrangierfinessen wie Glockenspiel und Geigenpizzicato. Wirbelnder Bogen- und Tastenflug der Zigeunerwelt begeistert in „Marjanja”, mit „Solnishka” wird sodann die sehnsuchtsvolle, inbrünstige Seite dieses Genres nach außen gekehrt – hier ist Jana Mishenina auch als Sängerin in ihrem Element. Die Brücke vom Balkan in die Neue Welt stellt das von Goran Bregovic und dem Kreolen Teofilo Chantre ko-verfasste wehmütige „Ausencia” dar, in dem Mishenina zum seufzenden Bandoneon von Neubauer wiederum als Vokalistin agiert. Mit Piazzollas raffiniertem „Libertango”, den das Trio mit ungestümem Funkenschlag interpretiert, grüßt der Rio de la Plata. Mediterrane Sonne funkelt in dem mit geigerischer Leidenschaft versehenem „Sole, Sole, Sole” von Arturo Casadei. Und Landsmann Paolo Contes „Azurro” findet sich in einer arabesk betupften und mit nachdenklichem Unterton dargebotenen Fassung, die so gar nichts mit Adriano Celentano zu tun hat. Der große Mecano-Hit „Hijo De La Luna” aus den 1980ern wandelt sich zu einem flimmernden Kleinod, der durch die Nachtluft weht.

Und auch mit Eigenkompositionen geizt das Trio nicht: Jakob Neubauers „Baby Capuccino” ist eine amüsante, quasi quietschvergnügte Hommage an den kleinen Schwarzen mit Sahne und könnte durchaus zu einem neuen Standard zwischen Montmartre und Mittelmeer avancieren. „Il Giardino Degli Aranci” ist italienischer Sommertraum pur und Henry Altmann entwirft hier ein zärtlich-südliches Pastell einer der schönsten Orte Roms im Walzertakt. „Shalakho” schließlich – aus der Feder des georgischen Komponisten David Malazonia – gibt sich ganz zackig mit orientalischen Anleihen.

Urteil: Liest man obige Beschreibung erwartet man eine Musik, die sich sowohl als beschwingte Hintergrundmusik als auch zum genussvollen konzentrierten Hinhören eignet. Und beides ist absolut richtig – die Erwartungen werden nicht enttäuscht.

Orientierungshilfe

Cafe Mediterraneo

So wechselvoll und multikulturell wie die Geschichte des Kaffees ist die der Kaffeehäuser. Von Istanbul über Venedig nach London, Wien und Paris führte vom 16.Jahrhundert an ihr Siegeszug. An vielen Orten entwickelten sich Literatur und schließlich auch Variété und die Musik zu gepflegten Begleitern des aromatischen schwarzen Getränks. In Wien engagierte man 1788 erstmals Musikanten fürs Café Bellevue, in Paris wurden die „café concerts” zur festen Institution. Heute, wo die Historie des Kaffeehauses in Lounges, Café Bars und Filialen großer Ketten fortgeschrieben wird, ist der Genuss des belebenden Trunks beileibe nicht nur mit coolem Clubsound kompatibel. Auf höchstem musikalischen Niveau wird Nostalgie gepflegt, nicht museal, sondern durch kreative Verfeinerung des Alten – genau so, wie es die Kaffeekultur des frühen 21. Jahrhunderts tut. Dabei spiegeln die Ensembles die vielen geographischen Farben der Café-Historie in ihrem Repertoire wider. Das international besetzte Trio Macchiato zählt zu den Meistern dieses Fachs und gibt nun auch auf Silberling einen Einblick in seine faszinierende Schatztruhe. „Café Mediterranéo” lädt zu einer amüsanten, entspannten und zugleich dynamisch-anregenden Reise ein und zeigt, wie man heutzutage seinen Café au Lait, Latte Macchaito, den Mokka oder die Mélange zu Musette-Walzern, Gitan- und Balkan-Feuer, Tango-Melancholie und Canzone-Charme genießt.

Mit Esprit und Virtuosität spielen die drei Vollblutmusiker des Trio Macchiato unterschiedlichste Facetten des Entertainments aus: Mal wandelt der Zuhörer mit ihnen zu Akkordeonklängen am Ufer der Seine entlang, auf der Suche nach einem netten Bistro, findet sich kurz darauf schmachtend unter den Arkaden eines Adria-Cafés wieder, sinkt dann zu Geigenromantik ins plüschige Mobiliar eines Wiener Kaffeehauses. Slawische Weisen, mal wild, mal schwermütig, vermischen sich genauso mit den Aromen aus der Tasse wie Piazzolla-Klänge von der anderen Seite des Globus.

triomediteraneo.jpgDiese Souveränität im Umgang mit der Musik der Völker kommt nicht von ungefähr – alle drei sind versierte Könner mit lebhafter Vorgeschichte. Geigerin Jana Mishenina schöpft seit vielen Jahren sowohl aus Jazz, Klassik, wie auch osteuropäischen Brunnen. Ihre Ausbildung empfing sie am Moskauer Konservatorium und in Amsterdam, später trug sie mit ihrem virtuosen Bogenstrich zu Auftritten der Philharmonie der Nationen und des Concerto Grosso Frankfurt bei. Mit ihrem eigenen Ensemble hat sie Klangwelten zwischen Georgien, dem slawischen Raum und Modern Jazz ausgelotet. Zu dieser Truppe zählte auch schon Jakob Neubauer, der nun im Trio für die verschiedenen Balginstrumente von Akkordeon bis Bandoneon zuständig ist. Er ist die zweite russische Seele des Trios und stammt aus St. Petersburg, wo er bereits vor drei Dekaden den Großen Russischen Akkordeonwettbewerb gewinnen konnte. Über Gastspiele auf Londoner, Pariser und Berliner Bühnenbrettern führte ihn sein Weg in die neue Heimat Hamburg – mit Erfolg: die Staatsoper und das Schauspielhaus sind nur zwei seiner illustren Betätigungsfelder. Bassist Henry Altmann schließlich gibt als Dritter im Bunde einen kosmopolitisch-deutschen Impuls. Der Allgäuer lebt die Reiselust seiner französischen Zigeunervorfahren voll aus, verbrachte Studien- und Lebensjahre in New York und Paris, wirkte am Festspielhaus Hellerau und Staatstheater Junge Generation/Dresden. Verfeinert wird das Dreiergefüge durch flinke Handperkussion von Yogi Yokusch und dezente Saitenarbeit der Gitarristen Werner Neumann und Harald P. Bohner.

Die Auftritte des Trio Macchiato sind unvergessliche Erlebnisse für alle Sinne. Im berühmten Restaurant “Esskultur” mitten auf St.Pauli sind sie genauso gern gesehene Gäste wie auf einer Kreuzfahrt mit der MS Bremen. Höchste Zeit war es also, diese gelungene Hochzeit zwischen Musikgenuss und Kaffeehauskultur auch auf CD zu bannen.

Leichtfüßig-schwungvoll und doch mit detailverliebten Arrangements entführt das Trio in eine vielgesichtige und geschmackvolle Reiseroute für die Ohren, von Budapest bis Buenos Aires. Da sind die Klassiker der französischen Akkordeonliteratur, die die Glanzzeit der Rue de Lappe und ihrer Bals Musettes heraufbeschwören, wie Gus Viseurs wiegende „Flambée Montalbanaise” und die von Manouche-Klängen gewürzte Nummer „Rhythm Gitans” aus der Feder von Jo Privat. Die „Suite Médtierranée” ehrt den einzigartigen französischen Filmkomponisten Antoine Duhamel mit Arrangierfinessen wie Glockenspiel und Geigenpizzicato. Wirbelnder Bogen- und Tastenflug der Zigeunerwelt begeistert in „Marjanja”, mit „Solnishka” wird sodann die sehnsuchtsvolle, inbrünstige Seite dieses Genres nach außen gekehrt – hier ist Jana Mishenina auch als Sängerin in ihrem Element. Die Brücke vom Balkan in die Neue Welt stellt das von Goran Bregovic und dem Kreolen Teofilo Chantre ko-verfasste wehmütige „Ausencia” dar, in dem Mishenina zum seufzenden Bandoneon von Neubauer wiederum als Vokalistin agiert. Mit Piazzollas raffiniertem „Libertango”, den das Trio mit ungestümem Funkenschlag interpretiert, grüßt der Rio de la Plata. Mediterrane Sonne funkelt in dem mit geigerischer Leidenschaft versehenem „Sole, Sole, Sole” von Arturo Casadei. Und Landsmann Paolo Contes „Azurro” findet sich in einer arabesk betupften und mit nachdenklichem Unterton dargebotenen Fassung, die so gar nichts mit Adriano Celentano zu tun hat. Der große Mecano-Hit „Hijo De La Luna” aus den 1980ern wandelt sich zu einem flimmernden Kleinod, der durch die Nachtluft weht.

Und auch mit Eigenkompositionen geizt das Trio nicht: Jakob Neubauers „Baby Capuccino” ist eine amüsante, quasi quietschvergnügte Hommage an den kleinen Schwarzen mit Sahne und könnte durchaus zu einem neuen Standard zwischen Montmartre und Mittelmeer avancieren. „Il Giardino Degli Aranci” ist italienischer Sommertraum pur und Henry Altmann entwirft hier ein zärtlich-südliches Pastell einer der schönsten Orte Roms im Walzertakt. „Shalakho” schließlich – aus der Feder des georgischen Komponisten David Malazonia – gibt sich ganz zackig mit orientalischen Anleihen.

Urteil: Liest man obige Beschreibung erwartet man eine Musik, die sich sowohl als beschwingte Hintergrundmusik als auch zum genussvollen konzentrierten Hinhören eignet. Und beides ist absolut richtig – die Erwartungen werden nicht enttäuscht.

Textdatum: 2007-09-14  
Textrechte:
© Nuzzcom Music Office  
Vertrieb: edel contraire
Ident-Code: 744/1472/1


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