Tania Saleh
Intersection

Es ist nicht das erste Mal, dass uns diese Künstlerin fasziniert. Doch mit ihrem neuen Album übertrifft sich Tania Saleh selbst.

Tania Saleh wurde 1969 in Beirut geboren. Ein Großteil ihrer Kindheit und ihrer Jugend fielen somit in die Zeit des Libanesischen Bürgerkriegs (1975-1990), dessen Auslöser die Spannungen zwischen arabisch-muslimisch und westlich-christlich orientierten Gruppen war. Ein Konflikt, dessen Ursprung weit zurückliegt und bekannterweise bis heute andauert. Die Innenstadt Beiruts, die bis zum Ausbruch des Krieges ein Ort der Begegnung und friedlichen Koexistenz war, wurde mit Beginn des Krieges zum Kriegsschauplatz, was zu hochgradigen Zerstörungen führte und die Stadt zu einer Brachfläche und in ein von Milizen und Scharfschützen kontrolliertes Niemandsland verwandelte. Aus friedlicher Koexistenz wurde Segregation. Kein Wunder also, wenn sich in Tania Salehs künstlerischer Arbeit immer auch ein politischer Bezug findet.

Salehs neues Album “Intersection” ist nicht nur ein Musikalbum, es darf vielmehr als audiovisuelles Kunstprojekt angesehen werden. Die Künstlerin spannt einen weiten Bogen von traditionellen arabischen Melodien, arabischer Poesie, Straßenkunst, arabischer Kalligraphie zu zeitgenössischen elektronischen Klängen. Nicht zum ersten Mal setzt sie sich in “Intersection” mit dem Zustand und den Problemen der arabischen Welt auseinander. Religiöser Extremismus, Korruption, wirtschaftliche Probleme, Rassismus, Frauenrechte – sie lässt kein heißes Eisen aus.

Allerdings beklagt Tania Saleh die Situation nicht. Vielmehr soll ihr Kunstprojekt dazu dienen, die Schönheit, die Kunstwerke, die unter den Trümmern verborgen liegen, wieder auszugraben. Gerade diese Pole, das offene Benennen der Missstände, wie auch das Auflebenlassen des Schönen, was übrigens im Beiheft sehr schön und ausführlich dokumentiert ist, macht das Denken Tania Salehs aus.

Uns interessiert natürlich besonders die musikalische Seite des Projekts. Saleh startete in den 1990er Jahren mit alternativer arabisch/westlicher Indie-/Rockmusik. Soloalben veröffentlicht sie seit 2002. Beeindruckende Zeugnisse ihrer Rockmusik-Phase sind sowohl ihr selbstbetiteltes Debüt von 2002, wie auch das Album “Wehde” (وحده) aus dem Jahr 2011. Ganz anders klang das darauffolgende Album “A Few Images” von 2014. Hier bezauberte sie mit mehr akustischen Klängen und Ausflügen in Jazz und Bossa.

Mit “Intersection” zeigt sie wiederum eine ganz neue Seite von sich als Musikerin. Nun taucht Tania Saleh ein in die Klänge der schroffen Electro-Beats. Was daraus im Zusammenklang mit der Orientalik ihrer Melodien und Rhythmen entsteht, ist faszinierend und betörend. Auch in der Musik lässt sich das Aufeinanderprallen der harten Realität mit der Zartheit der arabischen Kunst nachempfinden. Für diese Leistung gebührt nicht nur Tania Saleh größte Anerkennung, sondern auch den Produzenten Khalil Judran und Erik Hillestad .

Neben dem Album gibt es auch einen Film mit beeindruckenden Bildern von diesem Musik-Kunst-Projekt (siehe das Video unten). Im Beiheft sind alle Texte in arabischer und englischer Sprache abgedruckt!

cairo SCENE schreibt zu “Intersection”:

“Saleh’s project intends to show the art and struggle to lead a life of beauty in the Arab world, amidst a polarized era of turmoil, corruption and suffering. In her song Show Me the Way, she pins down the unease felt “from Khartoum to Aleppo…from Rabat to the Arab Gulf,” beseeching some undefined power: “what history is being written? Can you show me the way?”



Orientierungshilfe

Intersection

Es ist nicht das erste Mal, dass uns diese Künstlerin fasziniert. Doch mit ihrem neuen Album übertrifft sich Tania Saleh selbst.

Tania Saleh wurde 1969 in Beirut geboren. Ein Großteil ihrer Kindheit und ihrer Jugend fielen somit in die Zeit des Libanesischen Bürgerkriegs (1975-1990), dessen Auslöser die Spannungen zwischen arabisch-muslimisch und westlich-christlich orientierten Gruppen war. Ein Konflikt, dessen Ursprung weit zurückliegt und bekannterweise bis heute andauert. Die Innenstadt Beiruts, die bis zum Ausbruch des Krieges ein Ort der Begegnung und friedlichen Koexistenz war, wurde mit Beginn des Krieges zum Kriegsschauplatz, was zu hochgradigen Zerstörungen führte und die Stadt zu einer Brachfläche und in ein von Milizen und Scharfschützen kontrolliertes Niemandsland verwandelte. Aus friedlicher Koexistenz wurde Segregation. Kein Wunder also, wenn sich in Tania Salehs künstlerischer Arbeit immer auch ein politischer Bezug findet.

Salehs neues Album “Intersection” ist nicht nur ein Musikalbum, es darf vielmehr als audiovisuelles Kunstprojekt angesehen werden. Die Künstlerin spannt einen weiten Bogen von traditionellen arabischen Melodien, arabischer Poesie, Straßenkunst, arabischer Kalligraphie zu zeitgenössischen elektronischen Klängen. Nicht zum ersten Mal setzt sie sich in “Intersection” mit dem Zustand und den Problemen der arabischen Welt auseinander. Religiöser Extremismus, Korruption, wirtschaftliche Probleme, Rassismus, Frauenrechte – sie lässt kein heißes Eisen aus.

Allerdings beklagt Tania Saleh die Situation nicht. Vielmehr soll ihr Kunstprojekt dazu dienen, die Schönheit, die Kunstwerke, die unter den Trümmern verborgen liegen, wieder auszugraben. Gerade diese Pole, das offene Benennen der Missstände, wie auch das Auflebenlassen des Schönen, was übrigens im Beiheft sehr schön und ausführlich dokumentiert ist, macht das Denken Tania Salehs aus.

Uns interessiert natürlich besonders die musikalische Seite des Projekts. Saleh startete in den 1990er Jahren mit alternativer arabisch/westlicher Indie-/Rockmusik. Soloalben veröffentlicht sie seit 2002. Beeindruckende Zeugnisse ihrer Rockmusik-Phase sind sowohl ihr selbstbetiteltes Debüt von 2002, wie auch das Album “Wehde” (وحده) aus dem Jahr 2011. Ganz anders klang das darauffolgende Album “A Few Images” von 2014. Hier bezauberte sie mit mehr akustischen Klängen und Ausflügen in Jazz und Bossa.

Mit “Intersection” zeigt sie wiederum eine ganz neue Seite von sich als Musikerin. Nun taucht Tania Saleh ein in die Klänge der schroffen Electro-Beats. Was daraus im Zusammenklang mit der Orientalik ihrer Melodien und Rhythmen entsteht, ist faszinierend und betörend. Auch in der Musik lässt sich das Aufeinanderprallen der harten Realität mit der Zartheit der arabischen Kunst nachempfinden. Für diese Leistung gebührt nicht nur Tania Saleh größte Anerkennung, sondern auch den Produzenten Khalil Judran und Erik Hillestad .

Neben dem Album gibt es auch einen Film mit beeindruckenden Bildern von diesem Musik-Kunst-Projekt (siehe das Video unten). Im Beiheft sind alle Texte in arabischer und englischer Sprache abgedruckt!

cairo SCENE schreibt zu “Intersection”:

“Saleh’s project intends to show the art and struggle to lead a life of beauty in the Arab world, amidst a polarized era of turmoil, corruption and suffering. In her song Show Me the Way, she pins down the unease felt “from Khartoum to Aleppo…from Rabat to the Arab Gulf,” beseeching some undefined power: “what history is being written? Can you show me the way?”



Textdatum: 2017-11-09  
Textrechte:
© Global Music Magazine  
Artikelfoto/s: © Plugged MGMT, Spain
Label: Kirkelig Kulturverksted
Vertrieb: Indigo
Produzent: Khalil Judran
EAN: 7041889644025
Spieldauer: 00:51:41
Tracks: 13
Ident-Code: 12294/550/1


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2017-09-14 NACHRICHT
Tania Saleh: Intersection

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