Setona
Tariq Sudan

Setona stammt aus dem Sudan, und ihre Wurzeln liegen in der Provinz Kordofan, jenem sagenumwobenen Reich, welches die östliche Perle einer langen Kette afrikanischer Reiche war, die sich vom Senegal zum Roten Meer spannten. Seit jeher wurde der Kordofan von der transsudanesischen Pilger- und Handelsstraße, “tariq as-sudan” durchzogen, die sich weiter westlich – in der Nähe des ´Mutterbergs´ (djebel marrah) – mit zwei weiteren transsaharischen Routen kreuzte: der libyschen Straße und der ´darb al-Arba´in´ (Straße der vierzig Tage). Der Austausch von Handelsgütern und Menschen ermöglichte hier schon früh die Etablierung mächtiger Reiche, die vom Handel mit Salz, Tieren und Sklaven profitierten. Die islamischen Pilger aus Westafrika (Haussa, Fulbe etc.) benutzten auf ihrem Weg nach Mekka den “tariq as-sudan”. Viele von ihnen machten Rast in den Städten und Dörfern entlang der Straße im Kordofan, um Kraft zu sammeln für den weiteren Weg. Manche blieben, arbeiteten in der Landwirtschaft – die “fellata” genannten Immigranten galten als fleißiger als die Einheimischen – wurden seßhaft und vermischten sich mit den Alteingesessenen. Als Setona ihre musikalische Karriere startete, stand sie in ihrer Familie ohne Vorbild da, obwohl einer ihrer Onkel in den fünfziger Jahren Begründer einer sogenannten “Jazz Band” gewesen war. Doch das öffentliche Agieren als Sängerin und Musikerin hat in der konservativen Gesellschaft des Sudan nie den Beigeschmack des Anrüchigen verloren. Als Setona´s Familie von Kordofan nach Khartoum ­ wo Setona geboren wurde ­ zog, lebte sie in einem Viertel, in dem Menschen aus vielen Ländern Schwarzafrikas ansässig waren: Nigerianer, Zairies, Äthiopier und Sudanesen aus dem Süden des Landes. Mit ihrem Ehemann, Ahmed, der als Lehrer über die Jahre Lieder aus allen Teilen des Riesenlandes gesammelt hatte, schöpft Setona aus einem unendlichen Reservoir afrikanischer Rhythmen und Melodien. In ihrer Musik kombiniert sie wie kein anderer Künstler ihres Heimatlandes mit spielerischer Leichtigkeit Einflüsse all jener Menschen, die entlang dem “tariq as-sudan” – jenem einzigartigen Begegnungsfeld der Kulturen – leben. So sehr Setona´s Musik auch aus anderen Quellen schöpft, bleibt sie doch wahre sudanesische Musik. Deshalb kann es nicht verwundern, daß Setona in ihrem Repertoire auch Lieder aus West­ und Ostafrika hat, aus Regionen, in denen sie selbst nie gewesen ist. Denn die besten “Schlager” hatten sich über Jahrhunderte gehalten und so singt Setona manchmal in Sprachen (oder Sprachfragmenten), die sie selbst gar nicht versteht. Frauen haben in den Ländern des Orients eine Lebenswelt eigener Art, in der viel und fröhlich gesungen wird. Hier erwarb Setona auch die Fähigkeit, die typischen Henna-Tätowierungen, die auf keiner traditionellen Hochzeit fehlen dürfen, herzustellen. Und sie erlernte, spezielle afrikanische Arten der weiblichen Körperpflege wie Schwitzhütte, Räucherwerk und andere Zeremonien durchzuführen. Seit einigen Jahren lebt Setona mit ihrem Ehemann in Kairo, wo sie in der dortigen sudanesischen Gemeinschaft als eine begehrte “Zeremonien-Meisterin” für traditionelle Hochzeiten fungiert. In Kairo schreiben selbst Zeitschriften von Setona als “Königin des Henna”. Sie bereitet junge Mädchen auf den Tag der Heirat vor und stellt die speziellen Hochzeits­Speisen zusammen und lehrt die alten Lieder, die die Frauen zur Hochzeit singen ­ auf diese Weise hält Setona die Tradition in einer modernen Welt lebendig. Mit ihrer Musik, die auf diesem Album erstmals zu hören ist, möchte Setona einen Anstoß geben für gegenseitiges Verständnis und für ein friedliches Miteinander der Kulturen in ihrem Heimatland – und über dessen Grenzen hinaus.
Ein musikalischer Reiseführer in die Vielfalt der Kulturen des bei weitem größten Landes Afrikas. Eine Hommage an die traditionelle Lebensart, wie sie sich in vielen Gegenden des Sudan bis heute erhalten hat ­ eine Welt, in der die Zeit langsamer als im Westen zu fließen scheint, in der die Menschen sich sanfter der natürlichen Umgebung anpassen, als die moderne Zivilisation das tut, in denen die Menschen größeren Wert auf die Pflege ihrer Verwandschaft und Nachbarschaft legen, als in einer individualisierten Gesellschaft westlicher Art. Mit ihrer Musik, die aus vielerlei Quellen schöpft, möchte Setona Verständnis wecken für ein friedliches Miteinander der Kulturen in ihrer Heimat ­ und über die Grenzen hinaus.

1. Komssou 4:14
2. Koli Koli 4:00
3. Tarazina 5:35
4. Rera 4:25
5. Ali 4:41
6. Tagalimo 4:53
7. Mani Ini 4:07
8. Delosa 4:48
9. Ma Schufna 4:25
10. Hagero 6:01
11. Komssou Dance (Percussion Remix) 6:00

2002
Tariq Sudan

Setona stammt aus dem Sudan, und ihre Wurzeln liegen in der Provinz Kordofan, jenem sagenumwobenen Reich, welches die östliche Perle einer langen Kette afrikanischer Reiche war, die sich vom Senegal zum Roten Meer spannten. Seit jeher wurde der Kordofan von der transsudanesischen Pilger- und Handelsstraße, “tariq as-sudan” durchzogen, die sich weiter westlich – in der Nähe des ´Mutterbergs´ (djebel marrah) – mit zwei weiteren transsaharischen Routen kreuzte: der libyschen Straße und der ´darb al-Arba´in´ (Straße der vierzig Tage). Der Austausch von Handelsgütern und Menschen ermöglichte hier schon früh die Etablierung mächtiger Reiche, die vom Handel mit Salz, Tieren und Sklaven profitierten. Die islamischen Pilger aus Westafrika (Haussa, Fulbe etc.) benutzten auf ihrem Weg nach Mekka den “tariq as-sudan”. Viele von ihnen machten Rast in den Städten und Dörfern entlang der Straße im Kordofan, um Kraft zu sammeln für den weiteren Weg. Manche blieben, arbeiteten in der Landwirtschaft – die “fellata” genannten Immigranten galten als fleißiger als die Einheimischen – wurden seßhaft und vermischten sich mit den Alteingesessenen. Als Setona ihre musikalische Karriere startete, stand sie in ihrer Familie ohne Vorbild da, obwohl einer ihrer Onkel in den fünfziger Jahren Begründer einer sogenannten “Jazz Band” gewesen war. Doch das öffentliche Agieren als Sängerin und Musikerin hat in der konservativen Gesellschaft des Sudan nie den Beigeschmack des Anrüchigen verloren. Als Setona´s Familie von Kordofan nach Khartoum ­ wo Setona geboren wurde ­ zog, lebte sie in einem Viertel, in dem Menschen aus vielen Ländern Schwarzafrikas ansässig waren: Nigerianer, Zairies, Äthiopier und Sudanesen aus dem Süden des Landes. Mit ihrem Ehemann, Ahmed, der als Lehrer über die Jahre Lieder aus allen Teilen des Riesenlandes gesammelt hatte, schöpft Setona aus einem unendlichen Reservoir afrikanischer Rhythmen und Melodien. In ihrer Musik kombiniert sie wie kein anderer Künstler ihres Heimatlandes mit spielerischer Leichtigkeit Einflüsse all jener Menschen, die entlang dem “tariq as-sudan” – jenem einzigartigen Begegnungsfeld der Kulturen – leben. So sehr Setona´s Musik auch aus anderen Quellen schöpft, bleibt sie doch wahre sudanesische Musik. Deshalb kann es nicht verwundern, daß Setona in ihrem Repertoire auch Lieder aus West­ und Ostafrika hat, aus Regionen, in denen sie selbst nie gewesen ist. Denn die besten “Schlager” hatten sich über Jahrhunderte gehalten und so singt Setona manchmal in Sprachen (oder Sprachfragmenten), die sie selbst gar nicht versteht. Frauen haben in den Ländern des Orients eine Lebenswelt eigener Art, in der viel und fröhlich gesungen wird. Hier erwarb Setona auch die Fähigkeit, die typischen Henna-Tätowierungen, die auf keiner traditionellen Hochzeit fehlen dürfen, herzustellen. Und sie erlernte, spezielle afrikanische Arten der weiblichen Körperpflege wie Schwitzhütte, Räucherwerk und andere Zeremonien durchzuführen. Seit einigen Jahren lebt Setona mit ihrem Ehemann in Kairo, wo sie in der dortigen sudanesischen Gemeinschaft als eine begehrte “Zeremonien-Meisterin” für traditionelle Hochzeiten fungiert. In Kairo schreiben selbst Zeitschriften von Setona als “Königin des Henna”. Sie bereitet junge Mädchen auf den Tag der Heirat vor und stellt die speziellen Hochzeits­Speisen zusammen und lehrt die alten Lieder, die die Frauen zur Hochzeit singen ­ auf diese Weise hält Setona die Tradition in einer modernen Welt lebendig. Mit ihrer Musik, die auf diesem Album erstmals zu hören ist, möchte Setona einen Anstoß geben für gegenseitiges Verständnis und für ein friedliches Miteinander der Kulturen in ihrem Heimatland – und über dessen Grenzen hinaus.
Ein musikalischer Reiseführer in die Vielfalt der Kulturen des bei weitem größten Landes Afrikas. Eine Hommage an die traditionelle Lebensart, wie sie sich in vielen Gegenden des Sudan bis heute erhalten hat ­ eine Welt, in der die Zeit langsamer als im Westen zu fließen scheint, in der die Menschen sich sanfter der natürlichen Umgebung anpassen, als die moderne Zivilisation das tut, in denen die Menschen größeren Wert auf die Pflege ihrer Verwandschaft und Nachbarschaft legen, als in einer individualisierten Gesellschaft westlicher Art. Mit ihrer Musik, die aus vielerlei Quellen schöpft, möchte Setona Verständnis wecken für ein friedliches Miteinander der Kulturen in ihrer Heimat ­ und über die Grenzen hinaus.

1. Komssou 4:14
2. Koli Koli 4:00
3. Tarazina 5:35
4. Rera 4:25
5. Ali 4:41
6. Tagalimo 4:53
7. Mani Ini 4:07
8. Delosa 4:48
9. Ma Schufna 4:25
10. Hagero 6:01
11. Komssou Dance (Percussion Remix) 6:00

Textdatum: 2002-01-07  
Textrechte:
© Blue Flame Records  
Vertrieb: Rough Trade Distribution GmbH
Ident-Code: 441/1400/1


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