Sampler
Mali – Buwa - Traditionelle Musik Vol. 1

Diese CD präsentiert verschiedene musikalische Gattungen der ethnischen Gruppe der Buwa (Bobo) aus dem östlichen Mali. Die Produktion ist aufwändig gemacht. Insbesondere der Textteil im 28-seitigen Booklet ist so fundiert, wie man es sonst nur von musikethnologischen Spezialreihen kennt: In drei Sprachen (dt./engl./frz.) werden der soziale Kontext und die Bedeutung der einzelnen Stücke erklärt und außerdem ein Liedtext in der Originalsprache niedergeschrieben und übersetzt.

Die Musik ist äußerst vielfältig. Das Instrumentarium umfasst Büffelhörner, Flöten, Xylophone, Geigen, Sanduhrtrommeln, Zylindertrommeln, Holzklöppel, Eisenglocken bzw. Eisenschraper und Fußrasseln; dazu wird viel gesungen. Es gibt Musik von Griots, in der die Worte am meisten wiegen. Es gibt Festmusik, bei der die Fußrasseln von Tänzern und Tänzerinnen laut und schillernd zum perkussiven Rhythmus beitragen. Und es gibt Musik für Trauerfeiern: Im Gegensatz zu vielen anderen, islamisch geprägten Teilen Malis ist bei den christlichen und animistisch geprägten Buwa die Beerdigung noch ein festlicher sozialer Anlass.

Was alles zu hören ist: wundersam eingängige Melodien von Horn-Orchestern, die in der verzahnten Hoquetus-Technik gezaubert werden (für jeden Ton ein eigenes Horn samt Spieler!); wunderschön ruhige, dabei sehr groovige Trommelrhythmen; verführerisch-fetzige Polyrhythmen größerer Trommelensembles; Xylophon-Musik – gerade dafür sind die Buwa (Bobo) ja auch zurecht berühmt. Übrigens heisst das Xylophon der Buwa nicht bala (oder Balafon), wie bei den benachbarten Bamana und Maninka, sondern cooza, was man wohl “tschoosa” ausspricht. Und die Buwa nennen sich selbst eben Buwa, was wie “B’wa” ausgesprochen wird (das -u- bleibt stumm). Bobo heissen die Buwa nur in der Sprache ihrer Nachbarn, der Bamana, Dyula und Maninka. Da die französische Kolonialverwaltung diese Fremdbezeichnung übernommen hatte, ist sie heute allerdings sehr weit verbreitet.

Es gibt nichts auszusetzen an dieser CD. Machmal ist der Begleittext, den der malische Ethnologe Mama Kamaté verfasst hat, etwas arg detailversessen. So erfährt man beispielsweise etwas über die Beziehungen der verschiedenen Dialekte der Sprache der Buwa untereinander. Vermutlich wäre aber für die meisten Leser interessanter zu wissen, wo die Sprache der Buwa überhaupt einzuordnen ist: Etwa, dass sie zur Gruppe der Volta-Sprachen zählt, wie etwa auch die Sprachen der Dogon, Senufo und Minyanka; dagegen singen die internationalen Stars aus Mali – Salif Keita, Oumou Sangare, Habib Koite, Rokia Traore, Ali Farka – in ganz anderen Sprachen (Malinke, Bambara, Soninke). Es herrscht eine große Vielfalt von miteinander kaum verwandten Sprachen auf engstem Raum in Westafrika.

Sampler: Mali – Buwa - InlayVielleicht könnte man auch über das recht trockene, teils etwas dünne Klangbild diskutieren. Ich denke, man könnte Aufnahmen wie die hier besprochenen mit dezentem Mastering aufwerten, ohne dabei das ethnographische Ideal eines unverfälschten Klangbildes anzutasten. Beispielsweise klingen die Tanzmusikstücke in meinen Ohren mehr nach Tanzmusik, wenn man die tiefen Frequenzen der basslastigen Instrumente Xylophone und Trommeln tontechnisch etwas präsenter macht. Bei traditionellen Feldaufnahmen von Live-Performances – sprich: mit respektvoller Mikrofonie aus einigen Metern Entfernung – werden die Bässe ja in der Regel schwächer abgebildet, als sie aus der Nähe, für die Tänzer zum Beispiel, klingen.
Diese Kritikpunkte betreffen aber wirklich nur Nuancen, die man diskutieren könnte. Insgesamt ist diese schöne und gut gemachte CD absolut empfehlenswert, besonders für

  • Liebhaber traditioneller Musik aus Mali
  • Sammler von ethnographischen Platten
  • Spieler und Fans von Balafon-Musik

Und noch ein Grund, diese CD zu kaufen: Das Klangmaterial stammt aus einem Dokumentations-Projekt, das die Berliner Musikethnologin Dr. Edda Brandes mit Geldern des Auswärtigen Amtes in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum von Mali über Jahre hinweg durchführte. Die Produktion der CD kommt auch diesem wichtigsten Museum in einem der kulturell reichsten, aber finanziell ärmsten Länder der Welt zugute. Außerdem hat die Herausgeberin vor, die sagenhaften Schätze des Dokumentations-Projekts aus den verschiedensten Regionen Malis, welche bis jetzt noch in den Archiven schlummern, in einer veritablen CD-Reihe nach und nach herauszubringen. Da kann man nur sagen: Hut ab! und weiter so …

Die CD gibt es im Direktvertrieb hier zu kaufen http://www.benkadi.org/html/CD.htm
Wer mit Paypal bezahlen will, kann auch hier bestellen.

Tracks:
01 Baansi [Hörner] 05:55
02 Wa Debruye [Wir kommen zurecht] 05:50
03 Ba Buwa Deni [Tanz Deni der Buwa] 04:41
04 Yaro Le Wa Ve Fio [Junge Männer, lasst uns das Feld bestellen] 07:17
05 Koni [Stegharfe] 09:22
06 Binsian [Musik des Chefs der alten Bräuche] 03:44
07 Wa Lara’a Maa [Wir glauben an Dich, Vater] 04:48
08 Tore To Nazun [Ein Stier hat ein Kalb geboren] 06:46
09 Pevun Lenu [Lied vom Teich des Pe] 05:29
10 Kanuzo [Kleine Kanu] 04:47
11 ‘Are Ba Conkui [Großes Xylophon der Griots] 05:50
12 Dunduna [Musik der Adligen] 06:19
13 Wa Ya Wonmi Caa ‘A Bu Sase [Wir haben viele Kuchen gegessen] 06:52

benkadi fòli serie: I. Traditionelle Musik Vol. 1; herausgegeben von Dr. Edda Brandes für Benkadi e.V.

Dr. Rainer Polak, Bayreuth

2008
Mali – Buwa - Traditionelle Musik Vol. 1

Diese CD präsentiert verschiedene musikalische Gattungen der ethnischen Gruppe der Buwa (Bobo) aus dem östlichen Mali. Die Produktion ist aufwändig gemacht. Insbesondere der Textteil im 28-seitigen Booklet ist so fundiert, wie man es sonst nur von musikethnologischen Spezialreihen kennt: In drei Sprachen (dt./engl./frz.) werden der soziale Kontext und die Bedeutung der einzelnen Stücke erklärt und außerdem ein Liedtext in der Originalsprache niedergeschrieben und übersetzt.

Die Musik ist äußerst vielfältig. Das Instrumentarium umfasst Büffelhörner, Flöten, Xylophone, Geigen, Sanduhrtrommeln, Zylindertrommeln, Holzklöppel, Eisenglocken bzw. Eisenschraper und Fußrasseln; dazu wird viel gesungen. Es gibt Musik von Griots, in der die Worte am meisten wiegen. Es gibt Festmusik, bei der die Fußrasseln von Tänzern und Tänzerinnen laut und schillernd zum perkussiven Rhythmus beitragen. Und es gibt Musik für Trauerfeiern: Im Gegensatz zu vielen anderen, islamisch geprägten Teilen Malis ist bei den christlichen und animistisch geprägten Buwa die Beerdigung noch ein festlicher sozialer Anlass.

Was alles zu hören ist: wundersam eingängige Melodien von Horn-Orchestern, die in der verzahnten Hoquetus-Technik gezaubert werden (für jeden Ton ein eigenes Horn samt Spieler!); wunderschön ruhige, dabei sehr groovige Trommelrhythmen; verführerisch-fetzige Polyrhythmen größerer Trommelensembles; Xylophon-Musik – gerade dafür sind die Buwa (Bobo) ja auch zurecht berühmt. Übrigens heisst das Xylophon der Buwa nicht bala (oder Balafon), wie bei den benachbarten Bamana und Maninka, sondern cooza, was man wohl “tschoosa” ausspricht. Und die Buwa nennen sich selbst eben Buwa, was wie “B’wa” ausgesprochen wird (das -u- bleibt stumm). Bobo heissen die Buwa nur in der Sprache ihrer Nachbarn, der Bamana, Dyula und Maninka. Da die französische Kolonialverwaltung diese Fremdbezeichnung übernommen hatte, ist sie heute allerdings sehr weit verbreitet.

Es gibt nichts auszusetzen an dieser CD. Machmal ist der Begleittext, den der malische Ethnologe Mama Kamaté verfasst hat, etwas arg detailversessen. So erfährt man beispielsweise etwas über die Beziehungen der verschiedenen Dialekte der Sprache der Buwa untereinander. Vermutlich wäre aber für die meisten Leser interessanter zu wissen, wo die Sprache der Buwa überhaupt einzuordnen ist: Etwa, dass sie zur Gruppe der Volta-Sprachen zählt, wie etwa auch die Sprachen der Dogon, Senufo und Minyanka; dagegen singen die internationalen Stars aus Mali – Salif Keita, Oumou Sangare, Habib Koite, Rokia Traore, Ali Farka – in ganz anderen Sprachen (Malinke, Bambara, Soninke). Es herrscht eine große Vielfalt von miteinander kaum verwandten Sprachen auf engstem Raum in Westafrika.

Sampler: Mali – Buwa - InlayVielleicht könnte man auch über das recht trockene, teils etwas dünne Klangbild diskutieren. Ich denke, man könnte Aufnahmen wie die hier besprochenen mit dezentem Mastering aufwerten, ohne dabei das ethnographische Ideal eines unverfälschten Klangbildes anzutasten. Beispielsweise klingen die Tanzmusikstücke in meinen Ohren mehr nach Tanzmusik, wenn man die tiefen Frequenzen der basslastigen Instrumente Xylophone und Trommeln tontechnisch etwas präsenter macht. Bei traditionellen Feldaufnahmen von Live-Performances – sprich: mit respektvoller Mikrofonie aus einigen Metern Entfernung – werden die Bässe ja in der Regel schwächer abgebildet, als sie aus der Nähe, für die Tänzer zum Beispiel, klingen.
Diese Kritikpunkte betreffen aber wirklich nur Nuancen, die man diskutieren könnte. Insgesamt ist diese schöne und gut gemachte CD absolut empfehlenswert, besonders für

  • Liebhaber traditioneller Musik aus Mali
  • Sammler von ethnographischen Platten
  • Spieler und Fans von Balafon-Musik

Und noch ein Grund, diese CD zu kaufen: Das Klangmaterial stammt aus einem Dokumentations-Projekt, das die Berliner Musikethnologin Dr. Edda Brandes mit Geldern des Auswärtigen Amtes in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum von Mali über Jahre hinweg durchführte. Die Produktion der CD kommt auch diesem wichtigsten Museum in einem der kulturell reichsten, aber finanziell ärmsten Länder der Welt zugute. Außerdem hat die Herausgeberin vor, die sagenhaften Schätze des Dokumentations-Projekts aus den verschiedensten Regionen Malis, welche bis jetzt noch in den Archiven schlummern, in einer veritablen CD-Reihe nach und nach herauszubringen. Da kann man nur sagen: Hut ab! und weiter so …

Die CD gibt es im Direktvertrieb hier zu kaufen http://www.benkadi.org/html/CD.htm
Wer mit Paypal bezahlen will, kann auch hier bestellen.

Tracks:
01 Baansi [Hörner] 05:55
02 Wa Debruye [Wir kommen zurecht] 05:50
03 Ba Buwa Deni [Tanz Deni der Buwa] 04:41
04 Yaro Le Wa Ve Fio [Junge Männer, lasst uns das Feld bestellen] 07:17
05 Koni [Stegharfe] 09:22
06 Binsian [Musik des Chefs der alten Bräuche] 03:44
07 Wa Lara’a Maa [Wir glauben an Dich, Vater] 04:48
08 Tore To Nazun [Ein Stier hat ein Kalb geboren] 06:46
09 Pevun Lenu [Lied vom Teich des Pe] 05:29
10 Kanuzo [Kleine Kanu] 04:47
11 ‘Are Ba Conkui [Großes Xylophon der Griots] 05:50
12 Dunduna [Musik der Adligen] 06:19
13 Wa Ya Wonmi Caa ‘A Bu Sase [Wir haben viele Kuchen gegessen] 06:52

benkadi fòli serie: I. Traditionelle Musik Vol. 1; herausgegeben von Dr. Edda Brandes für Benkadi e.V.

Dr. Rainer Polak, Bayreuth

Textdatum: 2008-01-02  
Textrechte:
© Polak/WMM  
Textbearbeitung:
Global Music | Weltmusik-Magazin  
Ident-Code: 1331/1347/1


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