Nubla
Voayeur

Die Genealogie der 1977 in Barcelona geborenen Luciana Carlevaro ist voll kosmopolitischen Rüstzeugs. In ihren Blutbahnen lassen sich italienische, spanische und libanesische Körperchen nachweisen, aufgewachsen ist sie allerdings in Buenos Aires. Eine argentinische Kindheit, die freilich kurz ist: Denn irgendwann packt die Familie die Koffer und flieht vor der Militärdiktatur. Ein Nomadenleben beginnt, das der kleinen Luciana aber optimale Voraussetzung für künstlerische Entdeckungen liefert. Schon mit sechs setzt sie sich ans Klavier, nimmt Gesangsstunden, Tanz- und Theaterunterricht. Als Jugendliche vertieft sie ihr Interesse am Vokalstudium, engagiert sich in Theaterprojekten für Kinder und in der Bühnenbildnerei. In der folgenden Dekade hinterlässt sie ihre Spuren im Experimentaltheater Las Furas Dels Bauls, ist Teil der spanischen Rocky Horror Picture Show, mischt auch bei den befreundeten Ojos De Brujo als ständige Backgroundsängerin auf den Alben Vengue und Barí mit.

2003 schließlich löst sie sich von allen Verpflichtungen, schaufelt sich Zeit frei für ihr erstes Solo-Album. “Es begann wie ein Spiel”, erinnert sich Nubla im Gespräch mit Estefanía Vidal von www.muzikalia.ecom an die Anfänge der Arbeit. “Wir haben keinen Plan aufgestellt, uns nicht mit irgendwelchen herkömmlichen Formeln aufgehalten. Ich habe viel Glück gehabt mit meinem Team, das ich auf meinem Weg getroffen habe und mit der Art und Weise, in der wir unsere Kreativität gegenseitig genährt haben.”

Hinter dem genannten Team verstecken sich einige der klügsten Köpfchen der “Zona Bastarda”: Produziert hat der verrückte Affe, also Dani “El MonoLoco” von Macaco, der mit Voayeur zugleich auch sein eigenes Label Mundo Zurdo einweiht. Als Co-Autor vieler Songs fungiert der großartige Pianist und langjährige Musikpartner Toni Saigi (der auch schon in den Reihen von Jarabe De Palo gewirkt hat), unerlässlich fürs feingeschliffene Programming war Roger Rodés. Helios und MC Yanah Bravo (Partnerin von DJ Vadim) setzen pointierte Scratches und Rhymes, der Bassist Jules Bikôkô (beide Macaco) bevölkert federnd das rhythmische Gefüge, Max Wright von den Ojos de Brujo enttarnt sich als menschliche Beatbox. Cinematisch-impressionistisch malen Keyboard und Klavier, hiphoppig krachend bis retardiert groovend pulsieren die Beats, dann wiederum schweifen nur Echos vom Bass und von den Fender Rhodes hinter den Melodien umher. Mut zur Reduktion – eine neue Tugend an der Costa Brava.

Der unumstrittene Star jedoch ist NUBLA selbst: Ihre Stimme ist sinnlich – “suave”, würde der Spanier sagen – auch mal verletzlich, haucht erotisch schwül. Doch ein zartes Elfchen ist diese Frau beileibe nicht – immer wieder bringt sie kraftstrotzende Dezibel-Pfunde auf die Waage, kreist in den Chorsätzen gedoppelt durch die Klangtableaus, kommt tatsächlich auch verdächtig nahe in den Bereich des Ohrwurms. Sirene oder Amazone? Keines der ausgelutschten Attribute trifft genau den Charakter dieser Frau, die die beiden scheinbaren Erzfeinde Clubsound und Songwriting ganz selbstverständlich in eine gemeinsame Heimstatt schleust. “Ich identifiziere mich mit der Elektronik mehr als mit der Mestizo-Philosophie”, erläutert Nubla im Interview mit Barcelona-Expertin Katrin Wilke. “Meinen Stil bezeichne ich gerne als `Fifties Downtempo’, weil ich Downtempo-HipHop mit Samples aus alten Hollywood-Songs und anderem Material der 1950er mische. Deshalb

klingt die Platte wärmer, trotz Elektronik”. Gleichzeitig ist ihr – und da ist sie ganz klassische Songwriterin – wichtig, dass ihr Publikum die Lieder vom Text her erschließt. Die Musik – so verrät sie – ergibt sich stets aus den Geschichten, die sie schreibt. Und die sind metaphernschwanger und fantasievoll, pendeln zwischen surrealen Anflügen und Lautmalereien, die sie sich auf der Zunge zergehen lässt. ( mehr Zitate kommen noch, wir sind noch am Übersetzen!) Und ein Cover des Caetano Veloso-Klassikers “Tigresa”, Reminiszenz an die Plattensammlung der Mutter, fügt sich als Geschichte über eine geheimnisvolle Frau wunderbar in die Originalkompositionen ein. Die Sprachspielerei zieht sich bis in den Albumtitel hinein: Voayeur als akustischer Zwitter aus Voyeur und Voyageur, eine Gebrauchsanweisung für ihre Hörer, die sich als Reisende durch diese 10 Tracks lustvoll umblicken und umhören sollen.

Tracks
1. Malquerida 4:25
2. Nube Negrita 3:39
3. Al Agua 3:16
4. Cayendose 4:16
5. Agujitas 4:14
6. Casi Sola 4:56
7. Tiembla El Sol 3:54
8. Tigresa 3:17
9. Siete Lenguas 3:34
10. Japan 3:18

Orientierungshilfe

Voayeur

Die Genealogie der 1977 in Barcelona geborenen Luciana Carlevaro ist voll kosmopolitischen Rüstzeugs. In ihren Blutbahnen lassen sich italienische, spanische und libanesische Körperchen nachweisen, aufgewachsen ist sie allerdings in Buenos Aires. Eine argentinische Kindheit, die freilich kurz ist: Denn irgendwann packt die Familie die Koffer und flieht vor der Militärdiktatur. Ein Nomadenleben beginnt, das der kleinen Luciana aber optimale Voraussetzung für künstlerische Entdeckungen liefert. Schon mit sechs setzt sie sich ans Klavier, nimmt Gesangsstunden, Tanz- und Theaterunterricht. Als Jugendliche vertieft sie ihr Interesse am Vokalstudium, engagiert sich in Theaterprojekten für Kinder und in der Bühnenbildnerei. In der folgenden Dekade hinterlässt sie ihre Spuren im Experimentaltheater Las Furas Dels Bauls, ist Teil der spanischen Rocky Horror Picture Show, mischt auch bei den befreundeten Ojos De Brujo als ständige Backgroundsängerin auf den Alben Vengue und Barí mit.

2003 schließlich löst sie sich von allen Verpflichtungen, schaufelt sich Zeit frei für ihr erstes Solo-Album. “Es begann wie ein Spiel”, erinnert sich Nubla im Gespräch mit Estefanía Vidal von www.muzikalia.ecom an die Anfänge der Arbeit. “Wir haben keinen Plan aufgestellt, uns nicht mit irgendwelchen herkömmlichen Formeln aufgehalten. Ich habe viel Glück gehabt mit meinem Team, das ich auf meinem Weg getroffen habe und mit der Art und Weise, in der wir unsere Kreativität gegenseitig genährt haben.”

Hinter dem genannten Team verstecken sich einige der klügsten Köpfchen der “Zona Bastarda”: Produziert hat der verrückte Affe, also Dani “El MonoLoco” von Macaco, der mit Voayeur zugleich auch sein eigenes Label Mundo Zurdo einweiht. Als Co-Autor vieler Songs fungiert der großartige Pianist und langjährige Musikpartner Toni Saigi (der auch schon in den Reihen von Jarabe De Palo gewirkt hat), unerlässlich fürs feingeschliffene Programming war Roger Rodés. Helios und MC Yanah Bravo (Partnerin von DJ Vadim) setzen pointierte Scratches und Rhymes, der Bassist Jules Bikôkô (beide Macaco) bevölkert federnd das rhythmische Gefüge, Max Wright von den Ojos de Brujo enttarnt sich als menschliche Beatbox. Cinematisch-impressionistisch malen Keyboard und Klavier, hiphoppig krachend bis retardiert groovend pulsieren die Beats, dann wiederum schweifen nur Echos vom Bass und von den Fender Rhodes hinter den Melodien umher. Mut zur Reduktion – eine neue Tugend an der Costa Brava.

Der unumstrittene Star jedoch ist NUBLA selbst: Ihre Stimme ist sinnlich – “suave”, würde der Spanier sagen – auch mal verletzlich, haucht erotisch schwül. Doch ein zartes Elfchen ist diese Frau beileibe nicht – immer wieder bringt sie kraftstrotzende Dezibel-Pfunde auf die Waage, kreist in den Chorsätzen gedoppelt durch die Klangtableaus, kommt tatsächlich auch verdächtig nahe in den Bereich des Ohrwurms. Sirene oder Amazone? Keines der ausgelutschten Attribute trifft genau den Charakter dieser Frau, die die beiden scheinbaren Erzfeinde Clubsound und Songwriting ganz selbstverständlich in eine gemeinsame Heimstatt schleust. “Ich identifiziere mich mit der Elektronik mehr als mit der Mestizo-Philosophie”, erläutert Nubla im Interview mit Barcelona-Expertin Katrin Wilke. “Meinen Stil bezeichne ich gerne als `Fifties Downtempo’, weil ich Downtempo-HipHop mit Samples aus alten Hollywood-Songs und anderem Material der 1950er mische. Deshalb

klingt die Platte wärmer, trotz Elektronik”. Gleichzeitig ist ihr – und da ist sie ganz klassische Songwriterin – wichtig, dass ihr Publikum die Lieder vom Text her erschließt. Die Musik – so verrät sie – ergibt sich stets aus den Geschichten, die sie schreibt. Und die sind metaphernschwanger und fantasievoll, pendeln zwischen surrealen Anflügen und Lautmalereien, die sie sich auf der Zunge zergehen lässt. ( mehr Zitate kommen noch, wir sind noch am Übersetzen!) Und ein Cover des Caetano Veloso-Klassikers “Tigresa”, Reminiszenz an die Plattensammlung der Mutter, fügt sich als Geschichte über eine geheimnisvolle Frau wunderbar in die Originalkompositionen ein. Die Sprachspielerei zieht sich bis in den Albumtitel hinein: Voayeur als akustischer Zwitter aus Voyeur und Voyageur, eine Gebrauchsanweisung für ihre Hörer, die sich als Reisende durch diese 10 Tracks lustvoll umblicken und umhören sollen.

Tracks
1. Malquerida 4:25
2. Nube Negrita 3:39
3. Al Agua 3:16
4. Cayendose 4:16
5. Agujitas 4:14
6. Casi Sola 4:56
7. Tiembla El Sol 3:54
8. Tigresa 3:17
9. Siete Lenguas 3:34
10. Japan 3:18

Text date: 2006-02-17  
Text: © Exil  
Distributor: INDIGO Musikproduktion + Vertriebs GmbH
Ident-Code: 559/1255/1


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