John Patrick Thomas
To the end of the world

Für viele Musikhörer beginnt und endet ihr Wissen über Orgelmusik mit der Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach . Namen wie Max Reger , der der Entwicklung der Orgelmusik bedeutende Impulse gab, kennt kaum noch jemand, geschweige denn die Namen von Zeitgenossen.

Dabei ist die Entwicklung der Orgelmusik keinesfalls bei Max Reger stehengeblieben. Eine neue Veröffentlichung von Emrick Music macht das deutlich. “To the end of the world – Orgelwerke 1968-2011” heißt diese CD.

Der Urheber ist der 1941 in Denver, Colorado, geborene John Patrick Thomas, der seine musikalische Karriere als Sänger im Columbus Boychoir (heute bekannt als American Boychoir) startete. Später studierte er an der Aspen Music School, University of Wyoming sowie der University of California in Berkeley bei renommierten Komponisten wie Darius Milhaud , Andrew Imbrie und Seymour Shifrin. Darüber hinaus arbeitete er mit hochkarätigen Kollegen wie David Del Tredici, Michael Finissy, Lukas Foss, Mauricio Kagel und Krzysztof Penderecki und war einer der Mitbegründer des Five Centuries Ensembles. Später ging er nach Hamburg, wo der Countertenor bis heute als Gesangslehrer arbeitet. Seine Tätigkeit als Komponist gab er trotz Lehrtätigkeit nicht auf.

Quasi als Tätigkeitsnachweis ist nun ein überaus interessantes Album veröffentlicht worden, auf dem Orgelwerke aus seiner Feder zu hören sind, die er in den Jahren zwischen 1968 und 2011 zu Papier gebracht hat. Es sind nicht ausschließlich Solostücke für Orgel, sondern die Orgel wird teilweise zum Begleitinstrument für eine Sopranstimme.

Vieles von dem, womit Orgelmusik in Verbindung gebracht wird, wie Größe, Macht, gelegentlich sogar eine apokalyptische Stimmung, kann man auch in die Musik von John Patrick Thomas hineininterpretieren. Doch sehen wir seine Stärken eher in den leiseren Tönen. Seine Klangvorschriften bzw. Registrierungen zeigen eine sehr feinfühlige Hand, was der Organistin Constanze Kowalski hörbar gut entgegenkommt.

Die Triostücke “Aus Matthäus” mit Sopran (Julia Henning), Orgel und Horn (Peter Gulyka) dürften für ungeübte Hörer rein von der Besetzung her abschreckend wirken. Doch wäre es schade, sich in dem Fall von Vorurteilen leiten zu lassen. Denn John Patrick Thomas beweist auch hier ein überragendes Feingefühl. Wie er die Melodien führt, ist großartig. Melodien, die vordergründig disharmonisch wirken (und dies nach Standardvorstellungen auch sind), erhalten hier eine wunderbare Strahlkraft. Sicher ist diese besondere Wirkung zu einem großen Teil auch der Stimme Julia Hennings geschuldet. Peter Gulyka steht dabei mit seinem Horn eher im Hintergrund, auch wenn er zwischendurch mit seinem Instrument gleichsam zum Gesangspartner wird und mit der Sängerin in Dialog tritt.

Die Aufnahmen dieser Stücke entstanden in der im Jahre 1893 erbauten Apostelkirche in Hamburg-Eimsbüttel. Der Titel des Albums zitiert die letzte Zeile seines Werks “Aus Matthäus”. Thomas sieht sich nicht als religiöser Mensch, weshalb wir seine Musik nicht als religiöse Musik ansehen – auch, weil sie glücklicherweise kein bisschen nach Kirchenmusik klingt.



Orientierungshilfe

To the end of the world

Für viele Musikhörer beginnt und endet ihr Wissen über Orgelmusik mit der Toccata und Fuge d-Moll von Johann Sebastian Bach . Namen wie Max Reger , der der Entwicklung der Orgelmusik bedeutende Impulse gab, kennt kaum noch jemand, geschweige denn die Namen von Zeitgenossen.

Dabei ist die Entwicklung der Orgelmusik keinesfalls bei Max Reger stehengeblieben. Eine neue Veröffentlichung von Emrick Music macht das deutlich. “To the end of the world – Orgelwerke 1968-2011” heißt diese CD.

Der Urheber ist der 1941 in Denver, Colorado, geborene John Patrick Thomas, der seine musikalische Karriere als Sänger im Columbus Boychoir (heute bekannt als American Boychoir) startete. Später studierte er an der Aspen Music School, University of Wyoming sowie der University of California in Berkeley bei renommierten Komponisten wie Darius Milhaud , Andrew Imbrie und Seymour Shifrin. Darüber hinaus arbeitete er mit hochkarätigen Kollegen wie David Del Tredici, Michael Finissy, Lukas Foss, Mauricio Kagel und Krzysztof Penderecki und war einer der Mitbegründer des Five Centuries Ensembles. Später ging er nach Hamburg, wo der Countertenor bis heute als Gesangslehrer arbeitet. Seine Tätigkeit als Komponist gab er trotz Lehrtätigkeit nicht auf.

Quasi als Tätigkeitsnachweis ist nun ein überaus interessantes Album veröffentlicht worden, auf dem Orgelwerke aus seiner Feder zu hören sind, die er in den Jahren zwischen 1968 und 2011 zu Papier gebracht hat. Es sind nicht ausschließlich Solostücke für Orgel, sondern die Orgel wird teilweise zum Begleitinstrument für eine Sopranstimme.

Vieles von dem, womit Orgelmusik in Verbindung gebracht wird, wie Größe, Macht, gelegentlich sogar eine apokalyptische Stimmung, kann man auch in die Musik von John Patrick Thomas hineininterpretieren. Doch sehen wir seine Stärken eher in den leiseren Tönen. Seine Klangvorschriften bzw. Registrierungen zeigen eine sehr feinfühlige Hand, was der Organistin Constanze Kowalski hörbar gut entgegenkommt.

Die Triostücke “Aus Matthäus” mit Sopran (Julia Henning), Orgel und Horn (Peter Gulyka) dürften für ungeübte Hörer rein von der Besetzung her abschreckend wirken. Doch wäre es schade, sich in dem Fall von Vorurteilen leiten zu lassen. Denn John Patrick Thomas beweist auch hier ein überragendes Feingefühl. Wie er die Melodien führt, ist großartig. Melodien, die vordergründig disharmonisch wirken (und dies nach Standardvorstellungen auch sind), erhalten hier eine wunderbare Strahlkraft. Sicher ist diese besondere Wirkung zu einem großen Teil auch der Stimme Julia Hennings geschuldet. Peter Gulyka steht dabei mit seinem Horn eher im Hintergrund, auch wenn er zwischendurch mit seinem Instrument gleichsam zum Gesangspartner wird und mit der Sängerin in Dialog tritt.

Die Aufnahmen dieser Stücke entstanden in der im Jahre 1893 erbauten Apostelkirche in Hamburg-Eimsbüttel. Der Titel des Albums zitiert die letzte Zeile seines Werks “Aus Matthäus”. Thomas sieht sich nicht als religiöser Mensch, weshalb wir seine Musik nicht als religiöse Musik ansehen – auch, weil sie glücklicherweise kein bisschen nach Kirchenmusik klingt.



Textdatum: 2017-09-14  
Textrechte:
© Global Music Magazine  
Artikelfoto/s: © Emrick Music
Label: Emrick Music
EAN: 4250137271422
Ident-Code: 11995/866/1


Orientierungshilfe

Translation

INTO ENGLISH (using Google translator)

Artikelnavigation

Bitte beachten Sie die folgenden Hinweise zum Urheberrecht

Alle Artikel unserer Webseiten sind durch das Urheberrecht geschützt. Das Kopieren und Verbreiten unserer Artikel bedarf in jedem Fall unsere ausdrückliche Zustimmung. Bei fremden Artikeln bedarf es in jedem Fall der Zustimmung des jeweiligen Rechteinhabers.

Ist als Textquelle nicht "Global Music | Weltmusik-Magazin" angegeben, handelt es sich um einen externen Artikel. Für den Inhalt dieser auf diese Weise gekennzeichneten Artikel sind die jeweils genannten Autoren bzw. Quellen verantwortlich. Die Inhalte der Artikel spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wieder. Achten Sie also unbedingt auf die angebene Textquelle.

Das Vorgenannte gilt entsprechend auch für Abbildungen und Fotos.

Weitere Hinweise zu diesen Themen finden Sie in unserem Impressum.