Barlast
Ihantola

Finnland gilt nicht nur in Sachen Allgemeinbildung als vorbildlich, sondern auch, was die musikalische Ausbildung betrifft. Auf breiter Ebene wird professioneller Musikuntericht angeboten, was einer der Gründe ist, warum die finnische Musikszene so zahlreich und lebendig ist. Auf der anderen Seite ist der heimische Markt nicht sehr groß und damit die Konkurrenzsituation für jeden Musikschaffenden verschärft.

Das hat zur Folge, dass es oftmals nicht genügt, nur in einer Formation zu spielen oder sich in einem Projekt zu engagieren. Der positive Seiteneffekt dessen wiederum ist, dass es zu Verflechtungen kommt, wodurch gegenseitige Inspiration nicht ausbleibt bzw. dies gewollt ist. Diese Konkurrenzsituation hat aber auch zur Folge, dass man gezwungen ist, nach neuen kreativen Wegen zu suchen.

Als wir vor rund zwanzig Jahren damit begannen, uns näher mit der finnischen Musikszene zu beschäftigen, ahnten wir nicht, dass dies zu einer Never-Ending-Story werden würde. Heute haben wir uns daran gewöhnt, dass es ständig neue Formationen gibt, Bands wiederbelebt werden, jeder mit jedem zusammenarbeitet, nach Herzenslust experimentiert wird und die finnischen MusikerInnen keine Stil- und Genre-Grenzen akzeptieren.

Ein neues Produkt der finnischen Musikszene ist das Quartett Barlast. Barlast ist das schwedische Wort für Ballast. Der Name wurde ganz bewusst gewählt und wird quasi in seiner Umkehrung als Prinzip auf die Musik angewendet. Der Grundgedanke ist, Ballast abzuwerfen. Einfach alles Unnötige beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

The silence can be heard between the notes. Everything unnecessary is stripped away. Only the name remains as ballast.

Dieses Prinzip dehnt die Band sogar auf ihre Promotionarbeit aus. Nur sehr spärliche Informationen geben sie einem zur Hand. Dadurch ist man gezwungen, die Musik mehr zu hinterfragen. Eine intensivere Auseinandersetzung ist tatsächlich erforderlich, will man sich “Ihantola”, ihrem heuer erschienenen Debütalbum, annähern.

Was uns sofort auffiel, war, dass die angestrebte Reduktion nicht so konsequent umgesetzt wurde, wie gedacht. Nur gelegentlich treiben es die Vier so weit, dass tatsächlich Leere entsteht. Sicher gehen wir bei dieser Einschätzung nicht von üblichen Erwartungen aus. Im Bereich des sogenannten Kammer-Jazz oder Kammer-Folk, kennen wir mehrere Projekte, die ähnlich “sparsame” Musik machen und sogar weit darüber hinausgehen.

Vielmehr fällt uns die Experimentierfreude des Quartetts auf. Vieles scheint bei Impovisationen entstanden, bzw. noch während der Aufnahme improvisiert worden zu sein. Benennen lassen sich Folk- und Jazz-Elemente, ansonsten klingt “Ihantola” sehr einzigartig. Trotz grundsätzlicher Freiheit, was die Tonalität anbelangt, sind die meisten Titel durchaus im Bereich der herkömmlichen Harmonien angelegt. Nur vereinzelt wird darüber hinausgegangen. Manchmal ist die Musik sogar ausgesprochen harmonisch. Allerdings muss man stets auf Verschiebungen gefasst sein. Dieses Spiel mit Harmonie und leichter Disharmonie haben wir sehr genossen. Der Aufbau der Stücke ist sehr verschieden. Auch hier gehen sie sowohl konventionellere wie auch experimentellere Wege. Betonung verdient auch, dass Barlast sehr eingespielt wirken.

Der Großteil des Albums wurde in einem schönen, 1906 erbauten Jugendstilhaus namens “Ihantola” aufgenommen. Genauer gesagt, in einem Turmzimmer des Gebäudes. Wenn man genau hinhört, kann man sogar manchmal Geräusche der näheren Umgebung wahrnehmen. Das Haus steht nämlich im belebten Helsinkier Stadtteil “Kallio”. Zum Glück gab es während der Aufnahmen keinen Feueralarm, denn gegenüber von “Ihantola”-Talo befindet sich eine Feuerwache.

“Ihantola” gefällt uns ausgesprochen gut. Selbst nach mehrmaligem Hören entdeckten wir neue Facetten, und Details, die wir zuvor überhört hatten, kamen zum Vorschein. Barlast bieten hier zwar ungewöhnliche, aber keineswegs schwer zu hörende Musik.

Die mit großem Gestaltungswillen agierende Schlagzeugerin Minna Koskenlahti ist übrigens auch auf dem kürzlich vorgestellten Album “Metsänpeitto” von Meriheini Luoto zu hören.






Orientierungshilfe

Ihantola

Finnland gilt nicht nur in Sachen Allgemeinbildung als vorbildlich, sondern auch, was die musikalische Ausbildung betrifft. Auf breiter Ebene wird professioneller Musikuntericht angeboten, was einer der Gründe ist, warum die finnische Musikszene so zahlreich und lebendig ist. Auf der anderen Seite ist der heimische Markt nicht sehr groß und damit die Konkurrenzsituation für jeden Musikschaffenden verschärft.

Das hat zur Folge, dass es oftmals nicht genügt, nur in einer Formation zu spielen oder sich in einem Projekt zu engagieren. Der positive Seiteneffekt dessen wiederum ist, dass es zu Verflechtungen kommt, wodurch gegenseitige Inspiration nicht ausbleibt bzw. dies gewollt ist. Diese Konkurrenzsituation hat aber auch zur Folge, dass man gezwungen ist, nach neuen kreativen Wegen zu suchen.

Als wir vor rund zwanzig Jahren damit begannen, uns näher mit der finnischen Musikszene zu beschäftigen, ahnten wir nicht, dass dies zu einer Never-Ending-Story werden würde. Heute haben wir uns daran gewöhnt, dass es ständig neue Formationen gibt, Bands wiederbelebt werden, jeder mit jedem zusammenarbeitet, nach Herzenslust experimentiert wird und die finnischen MusikerInnen keine Stil- und Genre-Grenzen akzeptieren.

Ein neues Produkt der finnischen Musikszene ist das Quartett Barlast. Barlast ist das schwedische Wort für Ballast. Der Name wurde ganz bewusst gewählt und wird quasi in seiner Umkehrung als Prinzip auf die Musik angewendet. Der Grundgedanke ist, Ballast abzuwerfen. Einfach alles Unnötige beiseite lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

The silence can be heard between the notes. Everything unnecessary is stripped away. Only the name remains as ballast.

Dieses Prinzip dehnt die Band sogar auf ihre Promotionarbeit aus. Nur sehr spärliche Informationen geben sie einem zur Hand. Dadurch ist man gezwungen, die Musik mehr zu hinterfragen. Eine intensivere Auseinandersetzung ist tatsächlich erforderlich, will man sich “Ihantola”, ihrem heuer erschienenen Debütalbum, annähern.

Was uns sofort auffiel, war, dass die angestrebte Reduktion nicht so konsequent umgesetzt wurde, wie gedacht. Nur gelegentlich treiben es die Vier so weit, dass tatsächlich Leere entsteht. Sicher gehen wir bei dieser Einschätzung nicht von üblichen Erwartungen aus. Im Bereich des sogenannten Kammer-Jazz oder Kammer-Folk, kennen wir mehrere Projekte, die ähnlich “sparsame” Musik machen und sogar weit darüber hinausgehen.

Vielmehr fällt uns die Experimentierfreude des Quartetts auf. Vieles scheint bei Impovisationen entstanden, bzw. noch während der Aufnahme improvisiert worden zu sein. Benennen lassen sich Folk- und Jazz-Elemente, ansonsten klingt “Ihantola” sehr einzigartig. Trotz grundsätzlicher Freiheit, was die Tonalität anbelangt, sind die meisten Titel durchaus im Bereich der herkömmlichen Harmonien angelegt. Nur vereinzelt wird darüber hinausgegangen. Manchmal ist die Musik sogar ausgesprochen harmonisch. Allerdings muss man stets auf Verschiebungen gefasst sein. Dieses Spiel mit Harmonie und leichter Disharmonie haben wir sehr genossen. Der Aufbau der Stücke ist sehr verschieden. Auch hier gehen sie sowohl konventionellere wie auch experimentellere Wege. Betonung verdient auch, dass Barlast sehr eingespielt wirken.

Der Großteil des Albums wurde in einem schönen, 1906 erbauten Jugendstilhaus namens “Ihantola” aufgenommen. Genauer gesagt, in einem Turmzimmer des Gebäudes. Wenn man genau hinhört, kann man sogar manchmal Geräusche der näheren Umgebung wahrnehmen. Das Haus steht nämlich im belebten Helsinkier Stadtteil “Kallio”. Zum Glück gab es während der Aufnahmen keinen Feueralarm, denn gegenüber von “Ihantola”-Talo befindet sich eine Feuerwache.

“Ihantola” gefällt uns ausgesprochen gut. Selbst nach mehrmaligem Hören entdeckten wir neue Facetten, und Details, die wir zuvor überhört hatten, kamen zum Vorschein. Barlast bieten hier zwar ungewöhnliche, aber keineswegs schwer zu hörende Musik.

Die mit großem Gestaltungswillen agierende Schlagzeugerin Minna Koskenlahti ist übrigens auch auf dem kürzlich vorgestellten Album “Metsänpeitto” von Meriheini Luoto zu hören.






Textdatum: 2017-10-05  
Textrechte:
© Global Music | Weltmusik-Magazin  
Artikelfoto/s: © Philip Holm
Label: Texicalli
Labelcode: 14002
Produzent: Philip Holm (Rec.: Heikki Hänninen)
EAN: 6429990002070
Spieldauer: 00:40:34
Tracks: 7
Katalog Nr: LLS03
Ident-Code: 12085/534/1

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