A.R. & Machines
The Art Of German Psychedelic (1970-74)

Zehn Alben durchzuhören, kostet enorm viel Zeit! Doch wir nahmen uns diese, weil wir wussten, Achim Reichel ist es wert, einen ganzen Arbeitstag für ihn zu “opfern”.

Achim Reichel ist Jahrgang 44. Von Beruf ist er Musiker, Komponist und Musikproduzent. Reichel gründete 1960 die Band The Rattles , die neben The Lords zu einer der erfolgreichsten deutschen Beat-Bands wurde und 1963 mit den Rolling Stones eine England-Tour absolvierte.

Doch Achim Reichel war offenbar mit den Rattles nicht ausgelastet und hatte sich daneben an verschiedenen Projekten beteiligt, wie er nun mit seiner neuesten Monsterveröffentlichung “The Art Of German Psychedelic (1970-74)” zeigt. Dabei handelt es sich um Aufnahmen, die er unter dem Namen A.R. & Machines zwischen 1970 und 1974 auf Band festhielt, plus einiger aktueller Remixes. Manches davon war bereits in den Siebzigern herausgebracht worden, aber ohne groß erfolgreich zu sein. Fünf Jahrzehnte lagen die Aufnahmen nun beinahe vergessen im Regal, bis sich Achim Reichel ihrer erneut annahm, sie digitalisierte und mit ihnen zu experimentieren begann.

Abgesehen davon, dass es sich bei diesem 10-CD-Paket um eine bedeutende Veröffentlichung zur deutschen Rockmusik-Geschichte handelt, enthält es viele Stunden Material zum Abfahren. Trance und Psychedelic-Rock mit viel Einsatz von Echo- und weiteren Effektgeräten. Dabei setzt Reichel aber nicht nur auf elektronische Klangerzeugung, vielmehr setzt er oftmals Gitarre und Perkussion ein. Diese allerdings werden häufig klanglich verändert und oftmals mit Echos geloopt. Eine Technik, die vor wenigen Jahren eine große Renaissance erlebte. Wer KT Tunstall während ihrer “Eye to the Telescope”-Tour auf der Bühne gesehen hat, konnte eine moderne Version dieser Sampling-Overdub-Technik ausgiebig studieren (“Black Horse and the Cherry Tree”). Reichel standen anno 1970 allerdings noch nicht die technischen Hilfsmittel heutiger Tage, wie Looppedale, zur Verfügung. Er arbeitete noch mit Band-Echo-Maschinen und vor allem mit den X330D Bandmaschinen von Akai.

Mit “The Art Of German Psychedelic (1970-74)” zeigt Achim Reichel, dass er auch zu den Urvätern des Krautrock gezählt werden muss. Wir gehen sogar so weit und bezeichnen ihn in diesem Zusammenhang als stilbildend, auch wenn er meist zum Vater der deutschen Beat-Musik oder gar zum Schlagersänger reduziert wird. Manches, was später z.B. Can , Cluster , Faust oder die bereits erwähnten Kraftwerk , Neu! und Amon Düül machten, hat Achim Reichel zum Teil vorweggenommen oder zur gleichen Zeit entwickelt.

A.R. & Machines nahmen fünf Studioalben auf. Ihr Debut “Die grüne Reise” wurde 1971 auf Kassette und Schallplatte veröffentlicht und mit großer Ratlosigkeit in Empfang genommen. Selbst die Presse fühlte sich nicht im Stande das Genre in eine Schublade zu stecken. Ein Meilenstein des Krautrock – eingefangen auf Tonband. Der Titel “Cosmic Vibration” und die darin sich überlappenden, verzerrten Gitarrenlicks, unterstützt von Percussion und futuristischen Elektrosounds – bewegten Brian Eno in so großem Maße, dass er sogar sein Soloalbum “Another Green World” (Eine weitere grüne Welt) danach benannte.

Das Folgealbum “Echo” (Doppelalbum) wurde von Conny Plank kurz nach Vollendung von “Kraftwerk 2” produziert. Hier bietet Reichel fast schon orchestrale Arrangements aus Gitarrenechos und Grooves.

Es folgten “A.R.3” und “A.R.4” auf Polydors neu gegründeten Krautrock Sub-Label Zebra. Die A.R. & Machines-Mitglieder taten sich täglich mit neuen Musikern zusammen und jeder von ihnen hinterließ seine Spuren auf den laufenden Aufnahmebändern. Ein Ausflug in beatle-esqe Spiritualität inspirierte das letzte Album “Autovision”.

Neben diesen fünf Studioalben sind zwei Live-CDs und drei Bonus-CDs mit unveröffentlichtem Material in diesem Paket enthalten. Alleine diese fünf CDs haben eine Spieldauer von fast fünf Stunden.

Auf dem Album “Virtual Journey”, das Reichel exklusiv für das Boxset produzierte, paart er, unter Zuhilfenahme von moderner Musikproduktionssoftware, analoge Fundstücke seiner in den 70ern eingespielten Echo-Gitarren mit digitalen Möglichkeiten des 21sten Jahrhunderts. Des Weiteren findet sich eine Zusammenstellung erster Remix-Versuche von 1996, die Reichel auf dem Höhepunkt seiner Sangeskarriere zu seinem privaten Vergnügen bastelte und bis jetzt unter Verschluss hielt. Außerdem im Paket ein opulentes 96-seitiges Hardcoverbuch, prall gefüllt mit Anekdoten über Reichels wilde Jahre in Hamburg und die Krautrock Szene.

“The Art Of German Psychedelic (1970-74)” ist ein genussreicher rund zehnstündiger Trip.



Orientierungshilfe

2017
The Art Of German Psychedelic (1970-74)

Zehn Alben durchzuhören, kostet enorm viel Zeit! Doch wir nahmen uns diese, weil wir wussten, Achim Reichel ist es wert, einen ganzen Arbeitstag für ihn zu “opfern”.

Achim Reichel ist Jahrgang 44. Von Beruf ist er Musiker, Komponist und Musikproduzent. Reichel gründete 1960 die Band The Rattles , die neben The Lords zu einer der erfolgreichsten deutschen Beat-Bands wurde und 1963 mit den Rolling Stones eine England-Tour absolvierte.

Doch Achim Reichel war offenbar mit den Rattles nicht ausgelastet und hatte sich daneben an verschiedenen Projekten beteiligt, wie er nun mit seiner neuesten Monsterveröffentlichung “The Art Of German Psychedelic (1970-74)” zeigt. Dabei handelt es sich um Aufnahmen, die er unter dem Namen A.R. & Machines zwischen 1970 und 1974 auf Band festhielt, plus einiger aktueller Remixes. Manches davon war bereits in den Siebzigern herausgebracht worden, aber ohne groß erfolgreich zu sein. Fünf Jahrzehnte lagen die Aufnahmen nun beinahe vergessen im Regal, bis sich Achim Reichel ihrer erneut annahm, sie digitalisierte und mit ihnen zu experimentieren begann.

Abgesehen davon, dass es sich bei diesem 10-CD-Paket um eine bedeutende Veröffentlichung zur deutschen Rockmusik-Geschichte handelt, enthält es viele Stunden Material zum Abfahren. Trance und Psychedelic-Rock mit viel Einsatz von Echo- und weiteren Effektgeräten. Dabei setzt Reichel aber nicht nur auf elektronische Klangerzeugung, vielmehr setzt er oftmals Gitarre und Perkussion ein. Diese allerdings werden häufig klanglich verändert und oftmals mit Echos geloopt. Eine Technik, die vor wenigen Jahren eine große Renaissance erlebte. Wer KT Tunstall während ihrer “Eye to the Telescope”-Tour auf der Bühne gesehen hat, konnte eine moderne Version dieser Sampling-Overdub-Technik ausgiebig studieren (“Black Horse and the Cherry Tree”). Reichel standen anno 1970 allerdings noch nicht die technischen Hilfsmittel heutiger Tage, wie Looppedale, zur Verfügung. Er arbeitete noch mit Band-Echo-Maschinen und vor allem mit den X330D Bandmaschinen von Akai.

Mit “The Art Of German Psychedelic (1970-74)” zeigt Achim Reichel, dass er auch zu den Urvätern des Krautrock gezählt werden muss. Wir gehen sogar so weit und bezeichnen ihn in diesem Zusammenhang als stilbildend, auch wenn er meist zum Vater der deutschen Beat-Musik oder gar zum Schlagersänger reduziert wird. Manches, was später z.B. Can , Cluster , Faust oder die bereits erwähnten Kraftwerk , Neu! und Amon Düül machten, hat Achim Reichel zum Teil vorweggenommen oder zur gleichen Zeit entwickelt.

A.R. & Machines nahmen fünf Studioalben auf. Ihr Debut “Die grüne Reise” wurde 1971 auf Kassette und Schallplatte veröffentlicht und mit großer Ratlosigkeit in Empfang genommen. Selbst die Presse fühlte sich nicht im Stande das Genre in eine Schublade zu stecken. Ein Meilenstein des Krautrock – eingefangen auf Tonband. Der Titel “Cosmic Vibration” und die darin sich überlappenden, verzerrten Gitarrenlicks, unterstützt von Percussion und futuristischen Elektrosounds – bewegten Brian Eno in so großem Maße, dass er sogar sein Soloalbum “Another Green World” (Eine weitere grüne Welt) danach benannte.

Das Folgealbum “Echo” (Doppelalbum) wurde von Conny Plank kurz nach Vollendung von “Kraftwerk 2” produziert. Hier bietet Reichel fast schon orchestrale Arrangements aus Gitarrenechos und Grooves.

Es folgten “A.R.3” und “A.R.4” auf Polydors neu gegründeten Krautrock Sub-Label Zebra. Die A.R. & Machines-Mitglieder taten sich täglich mit neuen Musikern zusammen und jeder von ihnen hinterließ seine Spuren auf den laufenden Aufnahmebändern. Ein Ausflug in beatle-esqe Spiritualität inspirierte das letzte Album “Autovision”.

Neben diesen fünf Studioalben sind zwei Live-CDs und drei Bonus-CDs mit unveröffentlichtem Material in diesem Paket enthalten. Alleine diese fünf CDs haben eine Spieldauer von fast fünf Stunden.

Auf dem Album “Virtual Journey”, das Reichel exklusiv für das Boxset produzierte, paart er, unter Zuhilfenahme von moderner Musikproduktionssoftware, analoge Fundstücke seiner in den 70ern eingespielten Echo-Gitarren mit digitalen Möglichkeiten des 21sten Jahrhunderts. Des Weiteren findet sich eine Zusammenstellung erster Remix-Versuche von 1996, die Reichel auf dem Höhepunkt seiner Sangeskarriere zu seinem privaten Vergnügen bastelte und bis jetzt unter Verschluss hielt. Außerdem im Paket ein opulentes 96-seitiges Hardcoverbuch, prall gefüllt mit Anekdoten über Reichels wilde Jahre in Hamburg und die Krautrock Szene.

“The Art Of German Psychedelic (1970-74)” ist ein genussreicher rund zehnstündiger Trip.



Textdatum: 2017-11-07  
Textrechte:
© Global Music Magazine  
Artikelfoto/s: © Hinrich Franck, BMG/Tangram
Label: BMG/Tangram
Spieldauer: rund 10 Std,
Tracks: 100
Format: 10 CDs
Katalog Nr: 538307740
Ident-Code: 12284/212/1


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