Internationales Klezmer Festival Fürth
Mehr als Klezmer - Jewish Music Today

Jetzt ist es offiziell: Das Internationale Klezmer Festival Fürth ist mehr als Klezmer. Der Zusatz „Jewish Music Today“ ist 2016 zum festen Bestandteil des Festival-Schriftzuges geworden. Keine große Überraschung für die Fans: Schon seit Langem betreten die Veranstalter musikalische Seitenpfade. Neben Klezmer und Jiddischem Lied hörte man 2008 erstmals die Musik der sephardischen Juden im Kulturforum. Klezmer-Punk und Jiddpop folgten, die Klezmer-Disko und wilde Rockkonzerte zum Abtanzen gehörten bald zum Programm. Das Fürther Publikum hat die Entwicklung stets begeistert und neugierig mitgetragen. So wurde das Internationale Klezmer Festival Fürth im Laufe der Jahre zu einem zentralen Ort und Treffpunkt der Szene, um „Jewish Music Today“ – Jüdische Musik im Hier und Jetzt – ausgiebig zu feiern. Und so soll es auch 2016 wieder sein.

Da zündet etwa die Amerikanerin Sarah Aroeste ein Feuerwerk an neuen sephardischen Songs. Die Sängerin liebt und lebt ihre sephardischen Wurzeln und hat diese zum Dreh- und Angelpunkt ihres musikalischen Schaffens gemacht: Erst interpretierte sie traditionelles sephardisches Liedgut, inzwischen komponiert sie selbst und versetzt die fast ausgestorbene Sprache Ladino (das Judeo-Spanisch) in moderne Rock- und Popmusik-Gefilde. Sie gilt als eine der wichtigsten Botschafterinnen der sephardischen Kultur. Am 13.3. bestreitet sie das Abschlusskonzert, das diesmal entgegen der Ankündigung im Programmheft ebenfalls im Festivalzentrum Kulturforum stattfindet.

Auch Niki Jacobs, Frontfrau der Band Nikitov, setzt sich mit Leib und Seele – und Engelsstimme – für den Erhalt ihrer jüdischen Kultur ein (am 8.3. live im Kulturforum). Trotzdem hört sich diese Hingabe ganz anders an, als die Aroestes, denn Jacobs singt Jiddisch.

Hinzu kommt am 10.3. mit Maureen Nehedars Jahrtausende alten Wiegenliedern noch das persisch-jüdische Erbe hinzu. Allein das sind drei Konzertabende, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch definieren alle drei Frauen ihre Musik über das Jüdischsein. Was also bedeutet „Jewish Music Today“ überhaupt? – Ein Streifzug durch das Programm des Klezmer Festivals lässt wahrlich erahnen, dass eine Definition nur dann möglich ist, wenn ihre Vielfalt präsentiert wird.

Aber natürlich kommt auch der klassische Klezmer nicht zu kurz. Mit dem Greenman/Rubin/Bern Trio (4.3.) und Veretski Pass (5.3.) sind Weltstars zu Gast, die Preßburger Klezmer Band (4.3.) und die Shtetl Band Amsterdam (5.3.) gehören europaweit zu den prominentesten und angesehensten Vertretern der Klezmermusik. Neu in der Szene ist die Band Yxalag (Foto) aus dem Norden Deutschlands (6.3.), die sich durch Verve und Leichtigkeit auszeichnet. Auch Legend of Kazimierz aus Polen sind Newcomer (9.3.) – in ihrer Heimatstadt Krakau haben sie den Klezmer aufgesaugt und ihn tief in die emotionale slawische Seele getunkt.

Vor gut zehn Jahren war Geoff Berner erstmals zu Gast in Fürth und galt damals noch als Geheimtipp der Klezmeravantgarde. Der Kanadier, mit Akkordeon und scharfsinnigen politischen Texten, dazu einer Menge Humor und vielen Anspielungen an die Klezmertradition, spielt am 11.3. im Kulturforum. Nach ihm The Jewish Monkeys aus Israel – zwei der Frontsänger sind deutsche Juden mit Hang zu politisch inkorrekten Songtexten – die beim Internationalen Klezmer Festival Fürth 2014 ihren ersten großen Auftritt absolvierten und vom Publikum stürmisch gefeiert wurden: Der dicke Sound der achtköpfigen Klezmerrockband geht in die Beine und im unbestuhlten Kulturforum darf ausgelassen getanzt werden!

Das Programm ergänzen in diesem Jahr auch ein Konzert mit klassischer Musik jüdischer Komponisten (12.3. im Stadttheater) und eine musikalische Reise durch die Wüstenlandschaft Israels mit dem Faran Ensemble (10.3.), das auf altertümlichen Instrumenten wie Oud und Kamancheh orientalisches Flair durch das Kulturforum wehen lässt.

Einen Kulturaustausch der Extraklasse verspricht das 1.Boarisch-Jiddische Danzl-Hoyz am 12.3.: Zur Live-Musik des Michael Winograd Klezmer Trios wird Tanzmeister Steven Weintraub versiert zum Jiddischen Tanz bitten. Für Landler und Zwiefache sorgen keine Geringeren als die Well-Buam mit Michael Well als charmantem Vortänzer. Man darf gespannt sein, wie sich die Kulturen, ihre Tänze und Melodien, verweben lassen. „Landlerst du noch oder freylekhst du schon?“ ist das Motto des Abends. Dass die Klezmer-Brunches an den Sonntagen innerhalb weniger Minuten ausverkauft waren, ist fast schon überflüssig zu erwähnen.

Auch der erste 5 o’clock-Klezmer (mit Mesinke am 6.3.) ist ausverkauft. Für den Termin am 13.3. mit dem Duo Doyna (Klezmer auf Bassklarinette!) gibt es noch wenige Karten.

Im Workshop Klezmermusik sind noch Plätze frei! Das große Orchester, in dem alle Teilnehmenden zusammen musizieren, ist wieder das Herzstück des Workshops und wird auch das öffentliche Abschlusskonzert am 6.3. im Heinrich-Schliemann-Gymnasium prägen. Der Workshop ist offen für alle, die Freude an Musik haben – weniger geübte Musikerinnen und Musiker genauso wie Fortgeschrittene.
Der Tanzworkshop wurde vom Kulturforum ins ELAN verlegt und läuft in diesem Jahr anmeldefrei: Einfach am Sonntag, 13.3. (14 – 17 Uhr) vorbeikommen und mittanzen. Vorkenntnisse und Partner/-in sind nicht erforderlich.

Führungen im Jüdischen Museum, Stadtspaziergänge der Tourist-Info und Filme im Kino Uferpalast runden das Programm ab.

Termin: 4. – 13. März 2016

Alle Infos und Karten unter:
www.klezmer-festival.de

2016
Mehr als Klezmer - Jewish Music Today

Jetzt ist es offiziell: Das Internationale Klezmer Festival Fürth ist mehr als Klezmer. Der Zusatz „Jewish Music Today“ ist 2016 zum festen Bestandteil des Festival-Schriftzuges geworden. Keine große Überraschung für die Fans: Schon seit Langem betreten die Veranstalter musikalische Seitenpfade. Neben Klezmer und Jiddischem Lied hörte man 2008 erstmals die Musik der sephardischen Juden im Kulturforum. Klezmer-Punk und Jiddpop folgten, die Klezmer-Disko und wilde Rockkonzerte zum Abtanzen gehörten bald zum Programm. Das Fürther Publikum hat die Entwicklung stets begeistert und neugierig mitgetragen. So wurde das Internationale Klezmer Festival Fürth im Laufe der Jahre zu einem zentralen Ort und Treffpunkt der Szene, um „Jewish Music Today“ – Jüdische Musik im Hier und Jetzt – ausgiebig zu feiern. Und so soll es auch 2016 wieder sein.

Da zündet etwa die Amerikanerin Sarah Aroeste ein Feuerwerk an neuen sephardischen Songs. Die Sängerin liebt und lebt ihre sephardischen Wurzeln und hat diese zum Dreh- und Angelpunkt ihres musikalischen Schaffens gemacht: Erst interpretierte sie traditionelles sephardisches Liedgut, inzwischen komponiert sie selbst und versetzt die fast ausgestorbene Sprache Ladino (das Judeo-Spanisch) in moderne Rock- und Popmusik-Gefilde. Sie gilt als eine der wichtigsten Botschafterinnen der sephardischen Kultur. Am 13.3. bestreitet sie das Abschlusskonzert, das diesmal entgegen der Ankündigung im Programmheft ebenfalls im Festivalzentrum Kulturforum stattfindet.

Auch Niki Jacobs, Frontfrau der Band Nikitov, setzt sich mit Leib und Seele – und Engelsstimme – für den Erhalt ihrer jüdischen Kultur ein (am 8.3. live im Kulturforum). Trotzdem hört sich diese Hingabe ganz anders an, als die Aroestes, denn Jacobs singt Jiddisch.

Hinzu kommt am 10.3. mit Maureen Nehedars Jahrtausende alten Wiegenliedern noch das persisch-jüdische Erbe hinzu. Allein das sind drei Konzertabende, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch definieren alle drei Frauen ihre Musik über das Jüdischsein. Was also bedeutet „Jewish Music Today“ überhaupt? – Ein Streifzug durch das Programm des Klezmer Festivals lässt wahrlich erahnen, dass eine Definition nur dann möglich ist, wenn ihre Vielfalt präsentiert wird.

Aber natürlich kommt auch der klassische Klezmer nicht zu kurz. Mit dem Greenman/Rubin/Bern Trio (4.3.) und Veretski Pass (5.3.) sind Weltstars zu Gast, die Preßburger Klezmer Band (4.3.) und die Shtetl Band Amsterdam (5.3.) gehören europaweit zu den prominentesten und angesehensten Vertretern der Klezmermusik. Neu in der Szene ist die Band Yxalag (Foto) aus dem Norden Deutschlands (6.3.), die sich durch Verve und Leichtigkeit auszeichnet. Auch Legend of Kazimierz aus Polen sind Newcomer (9.3.) – in ihrer Heimatstadt Krakau haben sie den Klezmer aufgesaugt und ihn tief in die emotionale slawische Seele getunkt.

Vor gut zehn Jahren war Geoff Berner erstmals zu Gast in Fürth und galt damals noch als Geheimtipp der Klezmeravantgarde. Der Kanadier, mit Akkordeon und scharfsinnigen politischen Texten, dazu einer Menge Humor und vielen Anspielungen an die Klezmertradition, spielt am 11.3. im Kulturforum. Nach ihm The Jewish Monkeys aus Israel – zwei der Frontsänger sind deutsche Juden mit Hang zu politisch inkorrekten Songtexten – die beim Internationalen Klezmer Festival Fürth 2014 ihren ersten großen Auftritt absolvierten und vom Publikum stürmisch gefeiert wurden: Der dicke Sound der achtköpfigen Klezmerrockband geht in die Beine und im unbestuhlten Kulturforum darf ausgelassen getanzt werden!

Das Programm ergänzen in diesem Jahr auch ein Konzert mit klassischer Musik jüdischer Komponisten (12.3. im Stadttheater) und eine musikalische Reise durch die Wüstenlandschaft Israels mit dem Faran Ensemble (10.3.), das auf altertümlichen Instrumenten wie Oud und Kamancheh orientalisches Flair durch das Kulturforum wehen lässt.

Einen Kulturaustausch der Extraklasse verspricht das 1.Boarisch-Jiddische Danzl-Hoyz am 12.3.: Zur Live-Musik des Michael Winograd Klezmer Trios wird Tanzmeister Steven Weintraub versiert zum Jiddischen Tanz bitten. Für Landler und Zwiefache sorgen keine Geringeren als die Well-Buam mit Michael Well als charmantem Vortänzer. Man darf gespannt sein, wie sich die Kulturen, ihre Tänze und Melodien, verweben lassen. „Landlerst du noch oder freylekhst du schon?“ ist das Motto des Abends. Dass die Klezmer-Brunches an den Sonntagen innerhalb weniger Minuten ausverkauft waren, ist fast schon überflüssig zu erwähnen.

Auch der erste 5 o’clock-Klezmer (mit Mesinke am 6.3.) ist ausverkauft. Für den Termin am 13.3. mit dem Duo Doyna (Klezmer auf Bassklarinette!) gibt es noch wenige Karten.

Im Workshop Klezmermusik sind noch Plätze frei! Das große Orchester, in dem alle Teilnehmenden zusammen musizieren, ist wieder das Herzstück des Workshops und wird auch das öffentliche Abschlusskonzert am 6.3. im Heinrich-Schliemann-Gymnasium prägen. Der Workshop ist offen für alle, die Freude an Musik haben – weniger geübte Musikerinnen und Musiker genauso wie Fortgeschrittene.
Der Tanzworkshop wurde vom Kulturforum ins ELAN verlegt und läuft in diesem Jahr anmeldefrei: Einfach am Sonntag, 13.3. (14 – 17 Uhr) vorbeikommen und mittanzen. Vorkenntnisse und Partner/-in sind nicht erforderlich.

Führungen im Jüdischen Museum, Stadtspaziergänge der Tourist-Info und Filme im Kino Uferpalast runden das Programm ab.

Termin: 4. – 13. März 2016

Alle Infos und Karten unter:
www.klezmer-festival.de

Textdatum: 2016-02-17  
Textrechte:
© Kulturamt Fürth  
Artikelfoto/s: © Frank Jasper
Ident-Code: 9598/515/1


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