Bardentreffen
Ansturm der Massen

Die Nürnberger Altstadt platzte während des diesjährigen Bardentreffens förmlich aus allen Nähten. Das Programm bot ja auch sehr klangvolle Namen, wie Joan Armatrading oder die Leningrad Cowboys. Am Samstagabend war der Hauptmarkt im Herzen der Altstadt, wo diese beiden Acts zu hören waren, schlicht und einfach dicht.

Aber auch andere Spielstätten, wie der Platz an der Sebalder Kirche, wo zur gleichen Zeit Pauliina Lerche und die Biermösl Blosn auftraten, waren zeitweise so voll, dass man sich förmlich gegenseitig auf die Füße trat. Dennoch war die Atmosphäre immer sehr entspannt. Die Besucher nahmen die Enge sehr gelassen hin, von Aggression war nichts zu spüren. Die Musiker und Bands freute der Zuspruch natürlich, da die Nachfrage nach ihren mitgebrachten CDs entsprechend groß war. So kam es, dass etwa die Finnin Pauliina Lerche (Fotos links und unten) gar nicht genug CDs dabei hatte, um die Nachfrage zu befriedigen.

Musikalisch gab es beim diesjährigen Bardentreffen, dem mittlerweile 33., ein finnisch geprägtes Programm. Finnisch heißt immer auch humorvoll und schräg. Diesem Image entsprachen die “Hämmer der Unterwelt”, Alamaailman Vasarat, zu Hundert Prozent. Ihr verrückter Sound, der sich zwischen Heavy Metal, Klezmer, Balkan und Folk bewegt, verlangte dem Publikum am Freitag einiges ab. Wer die Musik dieser Band vorher noch nicht kannte, tat sich vielleicht etwas schwer, einen Zugang dazu zu finden. Genaues Zuhören ist nicht Jedermanns Sache, aber bei Alamaailman Vasarat unabdingbar. Dennoch hinterließ die Band einen sehr positiven Eindruck, da hier exzellente Musiker am Werk waren.

Pauliina LercheLeichter hatte es da Pauliina Lerche mit ihrer Interpretation finnischer Volksmusik, die so frisch und lebendig dargeboten wurde, dass ihr Konzert zu einem der Höhepunkte des Bardentreffens wurde. Die Sängerin und Multiinstrumentalistin (u.a. Akkordeon und Kantele) sang ihre Lieder teils in finnisch, teils in karelisch. Finnisch-karelische Musik hat viele Facetten, kann leise und melancholisch aber auch wild und temperamentvoll sein. Pauliina Lerche, Absolventin der Sibelius-Akademie, lotete mit ihrer Band (Hannamari Luukkanen – Gesang, Violine (Pauliinas kleine Schwester), Tuomas Logrén – Gitarre, Dobro (Ex-Värttinä), Jukka Kyllönen – Gitarre, Perkussion (wie Pauliina gleichzeitig Mitglied bei Burlakat) und Timo Pekonen – Bass) diese Extreme aus und bot ein mitreissendes Konzert. Wie schon oben erwähnt, war der Ansturm auf ihre CDs, die sie geduldig signierte, größer als alle Erwartungen.

Wie uns Pauliina Lerche mitteilte, plant sie, nachdem sie bereits im April dieses Jahres mit ihrer Schwester durch Deutschland getourt war, mit ihrer Band im nächsten Jahr wieder zu Konzerten nach Deutschland zu kommen. Außerdem soll es eine neue CD geben. Der genaue Terminplan steht aber momentan noch nicht fest. In Kürze gibt es mehr über die sympathische Finnin in einem Porträt. Einige ihrer CDs und die ihres Mannes Peter Lerche sind hier zu beziehen.

Das Bardentreffen bot aber auch ein sehr ansprechendes nicht-finnisches Programm. Darunter immer auch ein paar Geheimtipps, wie die Österreicher IRISHsteirisch (Foto unten), die am Samstagnachmittag auf der Insel Schütt einen Mix aus irisch-steirischer Volksmusik plus einiger Weltmusik-Zutaten bot. Das Publikum war über diesen Stilmix, der sehr gekonnt und professionell dargeboten wurde, überaus erfreut. Musikalisch gesehen, konnten IRISHsteirisch aber am meisten überzeugen, wenn sie in irisch-steirischen Gefilden blieben.

Irish-SteirischDie in Barcelona lebende und sich dort lange Zeit als Straßenmusiker durchschlagende, kolumbianisch-argentinische Band Che Sudaka brachte das Publikum am gleichen Ort aber ein paar Stunden später so richtig zum Toben. Ihr feuriger Ska-Reggae-Punk mit südamerikanischem Flair heizte kräftig ein. Ihre Show wirkte zwar etwas aufgesetzt, woran sich das Publikum aber nicht störte und eine fröhliche und wilde Party feierte.

Insgesamt kann man den Programmgestaltern wieder einmal gratulieren. Ihnen ist es abermals gelungen, ein sehr qualitätvolles und abwechslungsreiches Angebot zusammen zu stellen. Ein ganz besonderes Lob geht an die Tontechniker. Die Lautstärke war stets angemessen und der Sound meist vorzüglich (leider ist dies nicht bei allen Festivals der Fall).

Das nächste Bardentreffen findet voraussichtlich vom 31. Juli bis 2. August 2009 statt.

2008
Ansturm der Massen

Die Nürnberger Altstadt platzte während des diesjährigen Bardentreffens förmlich aus allen Nähten. Das Programm bot ja auch sehr klangvolle Namen, wie Joan Armatrading oder die Leningrad Cowboys. Am Samstagabend war der Hauptmarkt im Herzen der Altstadt, wo diese beiden Acts zu hören waren, schlicht und einfach dicht.

Aber auch andere Spielstätten, wie der Platz an der Sebalder Kirche, wo zur gleichen Zeit Pauliina Lerche und die Biermösl Blosn auftraten, waren zeitweise so voll, dass man sich förmlich gegenseitig auf die Füße trat. Dennoch war die Atmosphäre immer sehr entspannt. Die Besucher nahmen die Enge sehr gelassen hin, von Aggression war nichts zu spüren. Die Musiker und Bands freute der Zuspruch natürlich, da die Nachfrage nach ihren mitgebrachten CDs entsprechend groß war. So kam es, dass etwa die Finnin Pauliina Lerche (Fotos links und unten) gar nicht genug CDs dabei hatte, um die Nachfrage zu befriedigen.

Musikalisch gab es beim diesjährigen Bardentreffen, dem mittlerweile 33., ein finnisch geprägtes Programm. Finnisch heißt immer auch humorvoll und schräg. Diesem Image entsprachen die “Hämmer der Unterwelt”, Alamaailman Vasarat, zu Hundert Prozent. Ihr verrückter Sound, der sich zwischen Heavy Metal, Klezmer, Balkan und Folk bewegt, verlangte dem Publikum am Freitag einiges ab. Wer die Musik dieser Band vorher noch nicht kannte, tat sich vielleicht etwas schwer, einen Zugang dazu zu finden. Genaues Zuhören ist nicht Jedermanns Sache, aber bei Alamaailman Vasarat unabdingbar. Dennoch hinterließ die Band einen sehr positiven Eindruck, da hier exzellente Musiker am Werk waren.

Pauliina LercheLeichter hatte es da Pauliina Lerche mit ihrer Interpretation finnischer Volksmusik, die so frisch und lebendig dargeboten wurde, dass ihr Konzert zu einem der Höhepunkte des Bardentreffens wurde. Die Sängerin und Multiinstrumentalistin (u.a. Akkordeon und Kantele) sang ihre Lieder teils in finnisch, teils in karelisch. Finnisch-karelische Musik hat viele Facetten, kann leise und melancholisch aber auch wild und temperamentvoll sein. Pauliina Lerche, Absolventin der Sibelius-Akademie, lotete mit ihrer Band (Hannamari Luukkanen – Gesang, Violine (Pauliinas kleine Schwester), Tuomas Logrén – Gitarre, Dobro (Ex-Värttinä), Jukka Kyllönen – Gitarre, Perkussion (wie Pauliina gleichzeitig Mitglied bei Burlakat) und Timo Pekonen – Bass) diese Extreme aus und bot ein mitreissendes Konzert. Wie schon oben erwähnt, war der Ansturm auf ihre CDs, die sie geduldig signierte, größer als alle Erwartungen.

Wie uns Pauliina Lerche mitteilte, plant sie, nachdem sie bereits im April dieses Jahres mit ihrer Schwester durch Deutschland getourt war, mit ihrer Band im nächsten Jahr wieder zu Konzerten nach Deutschland zu kommen. Außerdem soll es eine neue CD geben. Der genaue Terminplan steht aber momentan noch nicht fest. In Kürze gibt es mehr über die sympathische Finnin in einem Porträt. Einige ihrer CDs und die ihres Mannes Peter Lerche sind hier zu beziehen.

Das Bardentreffen bot aber auch ein sehr ansprechendes nicht-finnisches Programm. Darunter immer auch ein paar Geheimtipps, wie die Österreicher IRISHsteirisch (Foto unten), die am Samstagnachmittag auf der Insel Schütt einen Mix aus irisch-steirischer Volksmusik plus einiger Weltmusik-Zutaten bot. Das Publikum war über diesen Stilmix, der sehr gekonnt und professionell dargeboten wurde, überaus erfreut. Musikalisch gesehen, konnten IRISHsteirisch aber am meisten überzeugen, wenn sie in irisch-steirischen Gefilden blieben.

Irish-SteirischDie in Barcelona lebende und sich dort lange Zeit als Straßenmusiker durchschlagende, kolumbianisch-argentinische Band Che Sudaka brachte das Publikum am gleichen Ort aber ein paar Stunden später so richtig zum Toben. Ihr feuriger Ska-Reggae-Punk mit südamerikanischem Flair heizte kräftig ein. Ihre Show wirkte zwar etwas aufgesetzt, woran sich das Publikum aber nicht störte und eine fröhliche und wilde Party feierte.

Insgesamt kann man den Programmgestaltern wieder einmal gratulieren. Ihnen ist es abermals gelungen, ein sehr qualitätvolles und abwechslungsreiches Angebot zusammen zu stellen. Ein ganz besonderes Lob geht an die Tontechniker. Die Lautstärke war stets angemessen und der Sound meist vorzüglich (leider ist dies nicht bei allen Festivals der Fall).

Das nächste Bardentreffen findet voraussichtlich vom 31. Juli bis 2. August 2009 statt.

Text date: 2008-08-04  
Text: © Global Music Magazine  
Ident-Code: 1760/865/1


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